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Empfohlen Schwere Bergtour Überschreitung Hochfrottspitze (2.649m) und auf die Berge der Guten Hoffnung

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Thom, 27. Oktober 2013.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Ort:
    Isny im Allgäu
    Bildgewaltige Überschreitung des dritthöchsten Gipfels der Allgäuer Alpen - eine fordernde Rundtour für Geist und Körper.

    Tour-Bewertung:

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    ca. 11 Stunden.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] ca. 1.950 Hm / 25 km
    [​IMG] Schwierigkeit II+/T5 (Östlicher Berg der Guten Hoffnung III)
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung (nur für erfahrene Bergsteiger)

    [​IMG]Tourengänger: Johannes, Tobias, Thom

    Die eindrucksvolle Überschreitung der Hochfrottspitze kann durchaus im gleichen Atemzug mit den klassischen Allgäuer Felstouren an Trettachspitze oder Marchspitze genannt werden, auch wenn die reinen Kletterschwierigkeiten nicht ganz an das Niveau des "Allgäuer Matterhorns" heran kommen. Dennoch fordert diese Tour dem Aspiranten einiges an Kondition, Klettergeschick und vor allem im Abstieg über den teils beispiellos brüchigen Westgrat ein hohes Maß an Trittsicherheit ab. Durch die anschließende Besteigung des Östlichen Berges der Guten Hoffnung verschärfen sich die Schwierigkeiten nochmal um ein gutes Stück, gerade durch die Länge der Tour ist es wichtig auch hier noch im vollen Besitz der Kräfte zu sein und keineswegs auch nur annähernd die Konzentration zu verlieren. Der darauffolgende Besuch des Westlichen Berges der Guten Hoffnung verläuft hingegen wieder etwas moderater, am Gipfelkreuz erwartet einen ein stärkender Schluck Obstler, welcher netterweise vom Hüttenwirt des Waltenberger Hauses immer wieder aufs Neue aufgefüllt wird. Die Tour beeindruckt durch die mächtige Felsszenerie, die teils sehr exponierten Klettereien, gewaltigen Aus- und Tiefblicke und auch durch ihre Gesamtlänge. Ausgangspunkt ist der große Wanderparkplatz in Faistenoy an der Fellhorn-Liftstation. Von dort geht es zu Fuß über Birgsau nach Einödsbach und weiter hinauf Richtung Bacherloch und Waltenberger Haus.

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    Ein gutes Stück des mächtigen Taleinschnittes hinauf zum Bacherloch haben wir hier bereits überwunden.

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    Der Anstieg hinauf zum Bacherloch ist besonders am frühen Morgen durch eine eigene, fast schon mystische Stimmung geprägt. Man begegnet hier außerhalb der Bergsaison nur wenigen Bergsteigern und Wanderern, da die beliebten Hüttenstützpunkte ihre Pforten bereits geschlossen haben.

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    Nach dem recht behäbigen Anstieg hinauf ins Bacherloch, folgen nun deutlich spannendere, teils seilversicherte und ausgesetzte Gehpassagen. Bei Nässe oder Schneeresten heißt es hier: Vorsicht! Allerdings sind die spannenderen Stellen eine willkommene Abwechslung im sonst recht eintönigen Fußmarsch hinauf zum Waltenberger Haus.

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    Nach den versicherten Passagen kommt das schön gelegene Waltenberger Haus schon zum Vorschein. Die Querung der zahlreichen Geröllfelder bis dorthin zieht sich aber noch einmal etwas. Hinter dem Waltenberger Haus ragt der von fast allen Seiten recht abweisend wirkende Westliche Berg der Guten Hoffnung empor.

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    Trotz der sehr frühen Tageszeit genießt man auch schon unterhalb des Waltenberger Hauses eine feine Aussicht in Richtung Illertal und dessen Bergumrahmung. Auch das Wetter scheint uns heute nicht im Stich zu lassen … das motiviert für die weitere Tour.

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    Etwas blass erreichen wir nach knapp drei Stunden das Waltenberger Haus. Bis auf einen Jogger, der uns kurz vor Erreichen der Hütte gnadenlos „versägt“ hat, werden wir an diesem Tag erst wieder nach absolviertem Abstieg in Einödsbach auf Menschen treffen. Nach einer kurzen Stärkung machen wir uns an den Anstieg hinauf zur Bockkarscharte.

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    Kurz oberhalb des Waltenberger Hauses mit Rückblick auf den mittlerweile von der Sonne leicht angestrahlten Linkerskopf und seinem mächtigen Ostgrat, welcher auch gerne von den Einheimischen als „Habamm“ bezeichnet wird. Links daneben die Rotgundspitze.

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    Über weiterhin ausreichend markierte Wanderwege geht es weiter in Richtung Bockkarscharte, welche hier schon rechts des nur wenig auffälligen Gipfelaufbaus der Hochfrottspitze zu sehen ist.

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    Rückblick beim Anstieg zur Bockkarscharte auf die gegenüber liegende Schafalpenkette. Rechts davor Licht und Schatten an den nur selten besuchten Bergen der Guten Hoffnung. Der Westliche Berg der Guten Hoffnung trägt „noch“ ein Kreuz, auf dem Östlichen konnten wir einen Steinhaufen mit Gipfelbuch errichten.

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    Die letzten Meter hinauf zur Bockkarscharte wurden durch eine kleine Steiganlage entschärft. Bei den Touristenmassen, die sich während der Bergsaison über den Heilbronner Weg schnitzen, sicher keine schlechte Sache.

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    Blick von der Bockkarscharte nach Südwesten in Richtung Bockkarkopf und Hohes Licht weiter hinten. Ab hier verlassen wir die oft gutmütigen Bergwege inkl. Markierungen …

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    … und wenden uns dem teils stotzigen SSW-Grat der Hochfrottspitze, welchen wir ohne Umschweife direkt aus der Bockkarkopf angehen. Der Anstieg hinauf zum Vorgipfel der Hochfrottspitze unterteilt sich hierbei in drei markante, nicht ganz anspruchslose Aufschwünge. Hier der erste etwas exponierte Aufschwung, welcher meist feste Kletterei im II.Schwierigkeitsgrad bietet - herrlich!

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    Der erste Aufschwung am SSW-Grat der Hochfrottspitze von oben gesehen. Die letzten Meter verlaufen über abschüssige Platten welche aber stets genügend Griff- und Trittmöglichkeiten bieten (II). Im Hintergrund die Bockkarscharte.

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    Blick vom unteren SSW-Grat der Hochfrottspitze hinüber zum Großen Krottenkopf und dem insgesamt vier Gipfel tragenden Jöchlspitzkamm.

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    Dem ersten Aufschwung folgt eine kurze Gehpassage, das Gelände wird für einen Moment einfacher. Den kleinen Gratzacken direkt voraus umgehen wir auf seiner rechten Seite und …

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    … wenden uns der Besteigung des zweiten Aufschwunges (II) zu. Dieser bietet mehrere, teils ausgesetzte Möglichkeiten, welche allerdings in etwa die gleichen Schwierigkeiten besitzen. Während die Jungs sich knapp links der Gratkante in etwas brüchigem Fels nach oben ziehen, …

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    … steige ich noch eine Ecke weiter rechts über etwas kleingriffige aber bombenfeste Platten an (II+).

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    Blick vom zweiten Aufschwung hinüber zu den Kleinwalsertaler Bergen. Im Vordergrund der fast völlig von Gras überzogene Linkerskopf.

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    Der dritte und somit letzte Aufschwung des SSW-Grates ist zugleich der höchste wie auch anspruchsvollste (bis II+). In durchgehend anregender und ausgesetzter Kletterei geht es an meist guten Griffen und Henkeln nach oben. Ein Aufstieg über die rechts vom Aufschwung gelegene Rinne, welche teilweise ebenfalls von Bergsteigern genutzt wird, halten wir für unnötig heikel und schlichtweg falsch!

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    Blick von oben auf den dritten Aufschwung am SSW-Grat der Hochfrottspitze, der Fels bietet zahlreiche Griff- und Trittmöglichkeiten – für erfahrene Bergsteiger eine wirkliche Plaisir-Passage.

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    Ausstieg am dritten Aufschwung, über knapp zwei Meter steilt der Fels senkrecht auf, die Stelle kratzt eigentlich am III. Grat, fließt aber auf Grund ihrer Kürze nicht mit in die Bewertung ein.

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    Dann ist der Vorgipfel der Hochfrottspitze erreicht. Hier der Blick hinüber zum Hauptgipfel (halb links). Der Übergang ist teils brüchig und erfordert ebenfalls etwas Konzentration und Klettervermögen (I-II).

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    Blick vom Vorgipfel der Hochfrottspitze auf die Gipfel des Heilbronner Höhenweges bis hin zum Hohen Licht. Links vom Hohen Licht die Ellbogner Spitze und der apere Felskopf weit recht ist der Biberkopf.

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    Der Übergang vom Vor- zum Hauptgipfel erfordert in meist brüchigem Fels trotz der moderaten Kletterschwierigkeiten (I-II) stets Konzentration. Teilweise luftige Tiefblicke auf den einzigen Allgäuer Gletscher, den Schwarzmilzferner.

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    Was eine Aussicht. Im Vordergrund thront die mächtige Mädelegabel mit ihrem nach rechts unten verlaufenden Südostgrat, über welchen der Normalanstieg führt. Rechts davon der Doppelgipfel von Krottenspitze und Öfnerspitze, daneben die behäbigen etwas in Schatten gehüllten Gipfel von Großem Krottenkopf und Ramstallspitze.

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    Blick vom Gipfel der Hochfrottspitze hinüber zu den Gipfel der Kleinwalsertaler Bergumrahmung.

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    Herbstlicher Ausblick an der Trettachspitze vorbei über den gesamten Himmelschrofenzug bis hin zum immer noch grünen Illertal. Nach kurzer Rast am Gipfel der Hochfrottspitze steigen wir ein kurzes Stück über den Nordgrat hinab ...

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    ... bevor wir nach links in die hier sichtbare Rinne absteigen (kurz II) und dann in Richtung Westgrat nach links über Fels und Geröll hinausqueren.

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    Dieser Rückblick zeigt gut das Gelände zwischen Nordgrat-Einschartung inkl. eben erwähntem Rinnenabstieg und dem Westgrat, auf welchem wir uns nun befinden. Die Kletterschwierigkeiten in der Querung sind moderat (I & II), teilweise aber etwas exponiert und der Fels ist nicht immer wirklich zuverlässig.

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    Der Westgrat der Hochfrottspitze ist äußerst brüchig und oft steil sowie immer wieder exponiert. Nur selten gibt es kurze Stückchen wie hier auf dem Foto, welche einem ein etwas entspannteres Gehen erlauben.

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    Meist sieht es am Westgrat so wie hier aus, steile Bruchflanken mit hoher Steinschlaggefahr. Sowohl Vorsicht als auch Erfahrung sind in dieser Art Gelände unabdingbar.

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    Luftige Querung eines letzten Gratkopfes im Westgrat der Hochfrottspitze (II), bevor wir die Scharte vor dem Östlichen Berg der Guten Hoffnung erreichen.

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    Kurz vor erreichen der Scharte hat man einen instruktiven Blick auf den bevorstehenden Anstieg hinauf zum Östlichen Berg der guten Hoffnung, welcher zwar recht kurz aber äußerst luftig und knackig (bis III) ist.

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    Wir steigen zunächst von links auf einer kleinen Rippe (III-) hinauf zum kurzen Ostgrat. Der Fels ist nicht immer zuverlässig, Griffe und Tritte sind recht klein und erfordern einen erfahrenen Steiger.

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    Am äußerst luftigen Ostgrat geht es weiter anspruchsvoll und steil aufwärts (II+/III-).

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    Blick von oben auf den zu anfangs sehr steilen Ostgrat. Teilweise weichen wir der doch oft brüchigen Kante nach rechts (Aufstiegssinn) aus, nehmen hierbei jedoch teils schwerere Klettereien in Kauf.

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    Im oberen bereich ist der Ostgrat durch eine Art Kamin zweigeteilt. Dieser wird direkt durchklettert, drängt einen dabei vor allem im unteren Bereich etwas nach links ab. Im Gesamten ist diese Stelle mit einer glatten (III) zu bewerten, auch wenn teilweise gute Griffe und Tritte vorhanden sind.

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    Nach ein paar weiteren Kraxelmetern haben wir dann den kleinen Gipfel des Östlichen Berges der Guten Hoffnung erreicht. Er erhält wohl nur selten Besuch, nicht mal ein Steinmännchen war auf seinem höchsten Punkt anzutreffen. Wir haben nun den Gipfel mit einem Steinmann sowie einem kleinen Büchlein ausgestattet und würden uns freuen wenn dieses auch noch in ein paar Jahren anzutreffen wäre.

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    Behäbige Kolosse aus Fels und Stein - Mädelegabel und Hochfrottspitze vom Östlichen Berg der Guten Hoffnung aus gesehen.

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    Die kaminartige Verschneidung im oberen Teil des Ostgrates von oben gesehen. Im Abstieg heißt es nochmal volle Konzentration - auch wenn die Tour sich so langsam echt in die Länge zieht.

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    Wieder in der unteren Hälfte des kurzen Ostgrates angelangt. Besonders im Abstieg müssen Tritte und Griffe auf ihren Halt geprüft werden. In der Scharte angekommen, steigen wir ein kurzes Stück Richtung Süden über feinsplittriges Geröll hinab und klettern schließlich nach rechts in eine markante Felsrinne hinein (II).

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    Das Abklettern in der Felsrinne ist technisch nicht sonderlich schwer (I-II), allerdings ist die Steinschlaggefahr in diesem Abschnitt recht hoch - also Obacht geben!

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    Die Rinne leitet uns direkt hinab zum unterhalb der Südabbrüche des Östlichen Berges der Guten Hoffnung gelegenen Schotterband, auf welchem es nun in moderater Steigung in Richtung Westlichen Berg der Guten Hoffnung geht.

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    Das eben erwähnte Geröllband von oben, etwas Trittsicherheit und Geschick ist auch hier von Nöten.

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    Rückblick vom Gipfel des Westlichen Berges der Guten Hoffnung auf seinen kurzen Ostgrat (I). Der Gipfel des Östlichen Berges der Guten Hoffnung geht auf dem Foto fast vollständig in der Westflanke der Hochfrottspitze unter.

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    Der Gipfel des Westlichen Berges der Guten Hoffnung mit demoliertem Kreuz ist erreicht. Nach kurzer Rast und einem Schluck aus der Obstlerflasche geht es an den Abstieg zurück zum Waltenberger Haus. Dabei folgen wir dem markanten Geröllband (I) bis hinab zum Wanderweg zwischen Bockkarscharte und Waltenberger Haus.

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    Es folgt der Abstieg über bekannte Bergwege hinab zum Waltenberger Haus, welches wir rasch erreicht haben. Hier treffen wir die Entscheidung unsere Bergtour noch ein wenig auszuweiten und über die "Märchenwiese" zurück nach Einödsbach abzusteigen.

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    In der Querung unterhalb der Trettachspitze. Ganz rechts der kecke Zacken des Östlichen Berges der Guten Hoffnung.

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    Ein letzter Blick zurück auf die mächtigen Gipfel des Allgäuer Hauptkammes bevor wir uns an den sich noch etwas hin ziehenden Fußmarsch zurück nach Faistenoy machen. Das Ende einer Traumtour!
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 12. Juli 2014
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