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Empfohlen Mittelschwere Bergtour Auf Baumgartenkopf (1.433m), Schwarzenkopf (1.684m) und Jaufen (1.624m)

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Thom, 5. Juni 2018.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    17. September 2008
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    Isny im Allgäu
    Stille und rustikale Tour über 3 Gipfelchen der nördlichen Ammergauer Alpen. Natur- und Einsamkeitsliebhaber kommen hier zur warmen Jahreszeit voll auf ihre Kosten.

    Tour-Bewertung:

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    ca. 7 Std.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] ca. 1.000 Hm / Strecke ca. 22km (davon 12km mit Bike)
    [​IMG] Schwierigkeit I+/T4-5 (Feigenschrofen III+/T5-6)
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung

    [​IMG]Tourengänger: Franzi, Surg, Thom

    Der Schwarzenkopf klang für mich schon immer anhand der AV-Beschreibung lecker und attraktiv, allerdings habe ich die umliegenden Gipfelchen und Felsköpfe damals völlig außer acht gelassen. Aufgrund dauerdefektem Mountainbike stand eine Erkundungstour in dieses abgelegene Gebiet auch leider nie zur Wahl. So richtig auf den Trichter hat mich aber erst unser Forenmitglied Jens mit seiner kleinen "Hommage" an den Buchinger Baumgarten mit samt visuellen Eindrücken gebracht - danke hierfür. Auch ich werde zum Schutz des Gebietes auf eine detaillierte Beschreibung verzichten, wer mit einer Wanderkarte umgehen kann, der sollte allerdings kaum Probleme mit der Orientierung haben, sind doch die nördlichen Ammergauer Alpen mit ihren dichten Fichtenbeständen durch ein weit verzweigtes Netz aus Forststraßen recht gut erschlossen. Zunächst mit dem Bike, später zu Fuß geht es hinauf in den idyllisch gelegenen Buchinger Baumgarten. Von hier aus in spannend-uriger Atmosphäre auf den kaum beachteten Baumgartenkopf, ein wirklich interessanter kleiner Gipfel. Zurück im Baumgarten dann schwachen Trittspuren folgend hinüber zum gar nicht mal so selten besuchten Scharzenkopf und über dessen Südflanke/-grat in recht ansprechender Kraxelei auf den bekreuzten Gipfel. Ein kurzer Abstecher zum Jaufen bietet sich an, er ist unschwierig und kostet kaum Zeit. Danach machen wir uns an die Überschreitung des sehr brüchigen Feigenschrofens. Ein Gewitter in unmittelbarer Nähe sowie einsetzender Regen machen das sehr anspruchsvolle Projekt leider auf halbem Weg zu nichte. Aber auch für sich selbst stellen die 3 kleinen Gipfel einen lohnendes und rustikales Ziel für etwas erfahrenere Bergsteiger dar. Bei schönem Wetter lassen Landschaft und Stille kaum Wünsche offen!

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    Eintritt in den Buchinger Baumgarten, im Hintergrund der Rossstallkopf mit seiner schroffen NO-Wand.

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    Auf dem Weg in den hinteren Baumgarten in Richtung Hirtenhütte taucht in unserem Rücken plötzlich ein schöner, sehr markanter Boulderfelsen mit kleiner Eberesche auf seinem Haupt auf. Dieser markiert perfekt den Einstieg zum Baumgartenkopf.

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    Vom Fels aus ziehen wir recht gerade nach oben in den Steilwald, im Aufstieg trotz Nässe noch gut vertretbar. Die kurze AV Beschreibung ist eher irreführend, leitet einen zu früh, zu weit nach links. Gut wenn man eine orientierungsstarke Bergführerin dabei hat.

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    Ankunft unter mächtigen Felsen. Um den ersten, riesigen Block links herum in eine Art winziges, fast ebenes Tälchen ...

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    ... und von dort nach links über die markante Felsrinne (I) auf ein gut gangbares Grasband direkt unter den extrem steilen und massiven Gipfelwänden hindurch in Richtung oberer Westgrat.

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    Auf dem gut gangbaren Grasband, eine Stelle erfordert beim Übergang zum oberen Westgrat gutes antreten. Unterhalb des Bandes liegen ebenfalls steile Felsschrofen, bei nassen Verhältnissen heißt es sehr konzentriert steigen.

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    Der Ausstieg vom Grasband zum oberen Westgrat vollzieht sich über leicht geneigte Platten (I). Im Hintergrund der Rossstallkopf, welcher zusammen mit unserem Baumgartenkopf quasi das felsige Eintrittstor zum Buchinger Baumgarten bildet.

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    Kletterei am oberen Westgrat des Baumgartenkopfes (I+). Leider ist das Gestein teilweise recht brüchig. Trotzdem macht die für den noch moderaten Schwierigkeitsgrad recht urig und wild anmutende Aufstiegsführe unglaublich viel Spaß - echt spannend.

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    Blick von oben auf den leicht ausgesetzten oberen Westgrat des Baumgartenkopfes.

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    Auch der Übergang zum höchsten Punkt unseres ersten Gipfel des Tages bleibt abwechslungsreich. Immer wieder kleine Kraxelstellen im I.Grad, zudem etwas luftig, ein guter Einstand. Im Hintergrund der Schwarzenberg mit seinem nur schwer definierbaren Westgrat - sieht kaum lohnend aus.

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    Am sehr kleinen Gipfel des Baumgartenkopfes angekommen, kleiner Steinmann war vorhanden.

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    Das Wetter wird beim Abstieg vom Baumgartenkopf kurz besser, das Gras kann etwas abtrocknen.

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    Markante Felsenrinne im Abstieg.

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    An der Hirtenhütte im Buchinger Baumgarten angekommen, im Hintergrund der eben bestiegene Baumgartenkopf. Ab hier wird der Buchinger Baumgarten wirklich idyllisch, zuvor waren wir eher etwas enttäuscht.

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    Weiter geht's durch den Buchinger Baumgarten hinauf in Richtung Schafstall. Hingegen der Beschreibung im AV hält man sich besser knapp links des Bächleins. Generell habe ich mir den Buchinger Baumgarten etwas anders vorgestellt, weite Wiesenflächen gekrönt von einzelnen alten Ornachen. Nunja, auch mit lichtem Fichtenbestand ist es ganz nett.

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    Rückblick vom oberen Baumgarten hinüber zu Baumgartenkopf (rechts) und Rossstallkopf.

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    Blick vom Schafstall auf den Feigenschrofen zwischen Schwarzenbergmassiv und Feigenkopf. Von hier aus gesehen scheint der Grat gangbar zu sein, nur ein Türmchen reckt sich auffallend gen Himmel. Allerdings gibt es zahlreiche, sehr brüchige, steile und ausgesetzte Grattürme, welche man übersteigen muss, aber dazu später mehr. Ich möchte nur vorab schon kurz auf die AV Beschreibung eingehen - wird ja beschrieben, dass man vom Schwarzenkopf über den Feigenschrofen zum Feigenkopf steigen kann, allerdings umgeht der AV Führer auf der hier sichtbaren Seite die ganzen Grataufwürfe und Türme tief unten auf einer Gamsspur. Was das dann noch mit dem eigentlichen Feigenschrofen und einer Gratüberschreitung zu tun haben soll, entzieht sich meiner Kenntnis! Wer den Übergang angehen will, sollte am besten aus dem oberen Schafstall über das hier sichtbare Schuttrinnensystem direkt zum Feigenkopf aufsteigen, auch hier ist sicher Schwindelfreiheit und perfekte Trittsicherheit notwendig. Diesen Tipp gaben uns auch zwei Hirtenbürschel, welche den Feigenschrofen als nicht kletterbar halten.

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    Im Schafstall wenden wir uns dann nach links dem Schwarzenkopfmassiv zu. Hier geht es über steile Wiesen und zahlreiche Latschengassen dem Felsaufbau des Gipfelmassivs entgegen. Route darf sich hier jeder gerne selbst wählen.

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    Kurz unterm Gipfelaufbau des Schwarzenkopfes, der Anstieg aus dem Schafstall ist idyllisch, zieht sich jedoch etwas mehr in die Länge, als man das von unten her vermuten würde.

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    Einstieg in den Gipfelkörper des Schwarzenkopfes. In recht attraktiver Kletterei geht es zunächst durch eine kaminartige Rinne (I). Der Fels am Schwarzenkopf ist nur bedingt fest, bei Betrieb am Berg unbedingt Steinschlag vermeiden.

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    Anschließend geht es steiler über ein Wändchen (I-II) empor, danach links am markanten Felsturm vorbei.

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    Abwechslungsreich und kurzweilig sind die Klettermeter hinauf zum Gipfel, zudem leicht ausgesetzt.

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    Am Gipfel des Schwarzenkopfes. So selten wie vom AV Führer angepriesen wird er allerdings nicht besucht. Fast schon ein kleiner "Modeberg", wobei sich viele Wiederholungstäter bei den Gipfelbucheintragungen ausfindig machen lassen. Auch als Alleinziel ist dieser Gipfel durchaus lohnend.

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    Abstieg über die steile Südflanke, Steinschlag ist hier die größte Gefahr.

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    Einstiegsrinne im Abstieg.

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    Auf dem Weg zwischen Schwarzenkopf und Jaufen erhält man nochmals einen Blick auf den Feigenschrofen. Auch von hier lassen sich die eigentlichen Schwierigkeiten kaum aus machen. Ganz so brav ist das Gelände nicht, wie es hier zunächst den Anschein hat.

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    Auf dem kleinen Gipfel des Jaufen. Rechts hinten das Klammspitzmassiv, über welchen sich ein ordentliches Sommergewitter zusammen braut - zumindest grollt der Donner schon seit längerem gefährlich nahe.

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    Schwarzenberg mit seiner Ostflanke vom Jaufen aus gesehen. Danach geht's in die Scharte zurück zwischen Schwarzenberg und Jaufen.

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    Trotz Gewitter in der Nähe und leichtem Nieselregen wollen wir den Feigenschrofen gerne aus der Nähe begutachten. Hier der erste aufällige Gratturm im Rückblick - bizarr-modrige Krokant-Felsen.

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    Fast immer geht es ausgesetzt an der brösligen Gratschneide entlang - Begehspuren, Steinmannl oder ähnliches komplette Fehlanzeige, der AV Führer umgeht weit unten rechts.

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    Wieder über ein Türmchen hinweg (II). Niesel hat aufgehört, die Kletterei macht für derartigen Bröseldreck fast schon Spaß und so tasten wir uns weiter in Richtung Feigenkopfmassiv.

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    Umgehung eines Bruchturmes westseitig über eine abschüssige und kleingriffige Platte mit losen Tritten und Griffen (II). Direkt über den Turm sieht es wilder aus, ist aber eigentlich einfacher (I-II).

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    Nicht ungefährlicher Abstieg in die extrem ausgesetzte Scharte vor dem schwersten Gratgendarm (II+). Hier hält rein gar nichts, selbst große Brocken lassen problemlos lösen. Große Vorsicht ist geboten.

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    Schlüsselstelle (III+) aus der ausgesetzten Minischarte an sehr steiler und unten kaum griffiger Kante nach oben, der Fels ist hier zum teil fest, manche Schuppe bleibt aber besser unberührt. Für Bergsteiger unter 1,70m wird der III. Grad allerdings nicht gerecht, Einstiegsgriffe sind dann zwingend Sloper.

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    Franzi auf dem Gratgendarm - dieser bricht auf der anderen Seite ebenfalls jäh ab. Bevor wir uns aber diesen genauer anschauen, fahren Blitze gegenüber im Klammspitzmassiv ein - Zeit zu gehen! Meine subjektive Einschätzung lautet: den Gratturm noch hinab und es wird leichter, allerdings konnten wir eine weitere ausgesetzte Gratpassage nicht sauber einsehen. Eine Umgehung des Gendarms auf der Westseite über einen sehr steilen Bruchkamin ist gefährlich und nicht ratsam, wenn dann volley drüber. Aufgrund der extremen Brüchigkeit kann die Unternehmung Feigenschrofen aber doch nur halbherzig empfohlenen werden, T6 Bruchpiloten fühlen sich hier vielleicht wohl... doch ganz ohne Risiko geht es nicht.

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    Wir machen also kehrt. Die Schlüsselstelle hinab klettern hat es in sich, wenn man aber aufeinander aufpasst, dann ist dies gerade noch so zu verantworten. Über die bekannten Bruchtürme geht's zurück - der Abbruch nervt nur wenige Minuten, danach macht sich Freude über das herrlich abgelegene Gebiet breit - wir steigen über den Buchinger Baumgarten zurück Richtung Fahrraddepot.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Juli 2018
    Jens und Manu gefällt das.