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Schwere Bergtour Augsburger Höhenweg mit Darwinkopf und Parseierspitze

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Surg, 12. September 2014.

  1. Surg

    Surg Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    21. September 2008
    Beiträge:
    309
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    Isny / Villingen

    Von Kaisers via Kaiserjochhaus zur Ansbacher Hütte, weiter auf Augsburger Höhenweg mit Darwinkopf zum Grinner Ferner, Abstecher auf Parseierspitze, Abstieg zur Augsburger Hütte und von da nach Grins.
    Hier ein recht ausführlicher Erlebnisbericht, da eine reine Tourenbeschreibung für diese Tour nur bedingt sinnvoll wäre. Der Knackpunkt der Tour liegt ganz klar im Augsburger Höhenweg, welcher am zweiten Tag gemeinsam mit der Parseierspitze absolviert wurde. Hier sind entsprechende Kondition, anhaltende Konzentrationsfähigkeit sowie selbstverständlich Fähigkeiten und Fertigkeiten wie Trittsicherheit und Schwindelfreiheit unbedingt notwendig.

    Tour-Bewertung:

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    Tag 1 ca. 8 Std., Tag 2 ca. 10 Std., Tag 3 ca. 2,5 Std.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] Tag 1 ca. 14 km, 1450 Hm, Tag 2: ca 17 km, 1540 Hm, Tag 3 ca. 5 km, ca. 1300 Hm im Abstieg
    [​IMG]Schwierigkeit Tag1: T3; Tag 2: T5/I-II, ohne Parseier T5; Tag 3: T2
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung

    [​IMG]Tourengänger: Surg

    Gegangen am: 27.-29.08.2014

    Link zur Galerie

    Tja, was tut man, wenn man frei hat und das Wetter unbeständig ist? Auf einen guten Tag hoffen und wettertechnisch pokern! Ich hatte ursprünglich geplant, den Klassiker „Lechtaler Höhenweg“ länger zu begehen, aber nachdem dann ein Schönwetterfenster in Sicht war entschied ich mich für den Start in Kaisers, um über die Kaiserjochhütte zur Ansbacher Hütte zu gelangen. Zwar kann man auch direkter von Kaisers aufsteigen, jedoch wollte ich noch ein wenig des Lechtaler Höhenwegs mitnehmen.

    Start also bei strömendem Regen am Parkplatz (ca. 1490m) ca. 1 km von Kaisers Richtung Kaiseralpe. Hier geht es zunächst auf Forstwegen, kurz auch auf einem Pfad rechts neben dem Fahrweg bei nur seht gemütlicher Steigung zur Kaiseralpe. Der kürzere Weg würde hier weiter entlang des Kaiserbachs führen, ich wollte jedoch rechts unterhalb der Kaiseralpe zum Kaiserjochhaus abzweigen. Von hier aus geht es auf einem handwerklich hervorragend angelegtem – und sogar mit Höhenmeterschildchen versehenem - Steig recht zügig in die Höhe. Der Steig überwindet dabei die erste Stufe aufgrund eines Felssturzes rechts des Bergbachs, der alte Steig links ist gesperrt.

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    Der gut angelegte Steig zwischen Kaiseralpe und Kaiserjochhaus

    Bei ca. 2200m legt sich das Gelände, und schon bald taucht das sehr schön gelegene und recht neu renovierte Kaiserjochhaus (2310m) aus der Wolke aus. Hier gab es erst einmal eine kurze Einkehr zur Stärkung.

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    Das Kaiserjochhaus

    Beim Verlassen des Kaiserjochhauses hatte sich auch das Wetter schon etwas gebessert, so ging es nun auf dem als 601 und E4 ausgewiesenem Weg weiter nach Osten. Nach wenigen Metern könnte man nach links auf den Grießkopf (2581m) und nach rechts die wenigen Meter auf den Malatschkopf (2388m) steigen, was beides recht problemlos sein sollte. Im Moment der Entscheidung stellte sich dies jedoch als nicht sonderlich lohnend dar, da beide Gipfel sich komplett in Wolken gehüllt hatten. Die Wolkenlücken wurden jedoch schon bald deutlich häufiger. Der Lechtaler Höhenweg führt hier auf einem gut erkennbaren und markiertem Pfad über Geröll, zunächst recht eben, dann ansteigend zur Kridlonscharte (2371m), von wo sich mir ein herrlicher Blick über den Hintersee bot.

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    Blick zurück Richtung Kaiserjochhaus

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    Der Hintersee

    Die Vorboten des guten Wetters stimmten mich hoffnungsvoll während ich weiter zum Hinterseejöchl (2482m) ging. Hier wäre ich auch angekommen, hätte ich von der Kaiseralpe einen direkteren Weg genommen. Vom Hinterseejöchel geht es zunächst auf deinem Pfad absteigend, dann querend und schließlich in einem Steig die Jochrücken querend zum Alperschonjoch (2303m), von dem sich ein schöner Ausblick über Rot-Spitze, Rote Platte und Freispitze bot, auch wenn die Gipfel in den Wolken lagen kann man insbesondere über den Aufbau der Roten Platte nur staunen.

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    von rechts: Rot-Spitze, Rote Platte und Freispitze

    Kurzerhand entschloss ich mich die Sam-Spitze (2624m) zu überschreiten, wozu ich vom Wegweiser am Alperschonjoch zunächst ein paar Meter auf dem Weg Richtung Ansbacher Hütte ging, dann jedoch rechts auf einem rot bepunkteten Weg auf Wegspuren aufstieg. Leider nahm die Bewölkung eher wieder zu, weshalb ich den Gipfelgenuss auch nicht lange auskostete, sondern auf dem einfachen, bei Nässe etwas rutschigen Pfad Richtung meinem Etappenziel Ansbacher Hütte (2376m) ging, welche ich auch in kürzester Zeit erreichte.

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    Samspitze

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    Ansbacher Hütte

    Auf der Hütte angekommen gönnte ich mir zunächst eine warme Dusche (1€ pro Minute) und anschließend eine ausführliche und leckere Stärkung. Über Nacht besserte sich das Wetter weiter, so dass mich am nächsten Tag ein Traumtag erwartete.

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    Traumhafte Verhältnisse

    Von der Ansbacher Hütte sollte man unbedingt früh und nur bei sicheren Verhältnissen starten, da der Augsburger Höhenweg abgesehen vom Roland-Ritter-Biwak sowie dem Notabstieg von der Darwinscharte keine alternativen Abstiege bietet. Ein Wetterumschwung im Steig könnte sicherlich schnell gefährlich werden.

    Zunächst folgen wir E4/601/633 Richtung Memminger Hütte, um direkt nach dem Winterjöchl (2528m) nach rechts abzusteigen und zu queren. Hier verläuft der Höhenweg mal pfadartig, mal steigartig am Grünen Brünnle vorbei, einige Rinnen querend in einem weiten Bogen unterhalb von Schwarzlochkopf und Grießmuttekopf. Hier wurde ich genauestens beobachtet.

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    Blick zurück zur Ansbacher Hütte und Samspitze

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    Meine Beobachter

    Nach einer scharfen Linkskurve zieht der Pfad östlich Richtung Parseier Scharte(2604m), welche dann nochmals in anstrengenden Serpentinen erklommen wird. Hier befindet sich das Roland-Ritter-Biwak einige Meter links des Weges in der Scharte, welchem ich jedoch keinen Besuch abstattete.

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    Weg zur Parseier Scharte

    Kurz nach der Parseierscharte beginnt das spannendste Stück des Augsburger Höhenwegs, in dem wir weiterhin auf einem Pfad durch Geröll queren, einige Meter auf einer Rippe nach unten absteigen, um dann entlang einer Kante auf Bröselpfad queren. In diesem Gebiet besteht Steinschlaggefahr. Nachdem die letzten Tage Frost herrschte und bei mir nun die Sonne das Gestein erwärmte ist hier durchaus einiges an Brösel von oben gekommen, also unbedingt die Nusschale (Helm) aufsetzen! Kurz vor der Darwinscharte musste auf 2-3 Metern noch ein wenig Totschnee in einer Rinne gequert und in schöner Kraxelei das letzte Stück erklommen werden, um die Darwinscharte (2650m) und damit auch den Notabstieg zu erreichen. Hier hatte ich meine einzige Begegnung mit anderen Bergsteigern im Augsburger Höhenweg.

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    Querung im Gelben Schartle zur Darwinscharte

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    Weg zur Darwinscharte, im Hintergrund Darwinkopf

    Von der Darwinscharte geht es zunächst eher gemütlich, dann etwas anspruchsvoller auf den Darwinkopf, welcher mit 2968m bereits einen herrlichen Rundumblick, unter anderem auf die Parseierspitze, liefert.

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    Auf dem Darwinkopf

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    Panorama vom Darwinkopf mit Parseierspitze

    Vom Darwinkopf steigen wir über den Nordostgrat, dann rechts zum Grinner Ferner (ca. 2750m) ab, wobei der Grinner Ferner mehr einem (kleinen) Schneefeld gleicht, durch das Eis darunter und zwischen Felsen jedoch dennoch Vorsicht walten sollte.

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    Blick zum Grinner Ferner, hinten rechts geht es hinab zur Augsburger Hütte, links der Einstieg auf die Parseier Spitze

    Man kann sich bereits beim Abstieg zum Grinner Ferner links halten und über leichte Spuren im Geröll queren, ansonsten quert man den Grinner Ferner bis fast zum Wegweiser am nördöstlichen Ende, um dann nach Nordwesten über Geröll zum durch einen großen roten Punkt markiertem Einstieg des Normalwegs zu steigen. Der Einstieg dürfte hier für viele die größte Schwierigkeit darstellen, wobei diese Stelle durch Stahlseil (mit ‚“Eiern“) sowie anschließend durch eine Kette gesichert ist. Die Angaben in der Literatur geben hier eine realistische II an, Stahlseil und Kette geben jedoch Sicherheit. Anschließend in schöner und gut markierter Kraxelei in ca. 30 Minuten auf die Parseierspitze (3036m), wo man wiederum durch einen herrlichen Rundumblick belohnt wird.

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    Blick auf den Einstieg, etwas links der Bildmitte, der rote Punkt befindet sich direkt oberhalb der grauen Einstiegsplatte

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    Einstiegsplatte

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    die letzten Meter, hier legt sich das Gelände schon etwas

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    Das Kreuz der Parseier Spitze

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    Panoramablick von der Parseier

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    Abstiegsweg: zunächst zum Grinner Ferner, dann nochmals eine Stufe über einen gesicherten Steig, dann weiter zur Augsburger Hütte absteigen

    Nach Abstieg zum Grinner Ferner (ca. 2750m) zunächst steigartig, dann in Serpentinen auf Geröll zur Augsburger Hütte (2289m), wo die kalte Dusche sowie das wohlverdiente Getränk erfrischen und das leckere Essen stärken nach diesem anstrengenden Tag stärken.

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    letzten Meter Steig in der Stufe unterhalb des Grinner Ferner

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    Augsburger Hütte

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    Parseier Spitze

    Nachdem für die kommenden Tage wieder recht wechselhaftes Wetter, auch mit Gewitterneigung, angekündigt war und die Beine durch die letzten Tage durchaus betonartig waren, ging es am nächsten Tag lediglich in ca. 2 Stunden nach Grins, von wo aus ich sofort „per Daumen“ zum Landecker Bahnhof gelangte. Nachdem ich vom Zug aus einen Teil des letzten Tages nochmals nachverfolgen konnte, prasselten auch schon bald die ersten Regentropfen gegen die Scheiben, und ich dachte mir – gepokert und hoch gewonnen.

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    Abstieg von der Augsburger Hütte
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. September 2014
    Tobias, Thom und Johannes gefällt das.