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Empfohlen Schwere Bergtour Himmelhorn (2.111m) und Übergang zum Schneck (2.269m)

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Thom, 27. Juni 2015.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Ort:
    Isny im Allgäu
    Einmalig schöne und rassige Steilgrastour im grünen Herzen des Allgäus - perfekt!

    Tour-Bewertung:

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    ca. 7 Std.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] ca. 1.550 Hm / 28,5 km
    [​IMG] Schwierigkeit II / T6
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung (nur für erfahrene Bergsteiger)

    [​IMG]Tourengänger: Jo, Thom

    Wohl jedem aufmerksamen Bergsteiger, der sich für unsere wunderschönen Allgäuer Alpen interessiert, ist er ein Begriff - der berühmt berüchtigte Rädlergrat. Und sicher verbinden die meisten damit auch das nur selten bestiegene Himmelhorn, eigentlich nur die Südwestschulter des eigenwilligen Schneck-Massivs. Schon aus dem vorderen Oytal aus ist der aberwitzige, teils messerscharfe - aus Aptychenkalken und Steilrasen bestehende - Grat mit der markant aufsteilenden Gipfelwand sichtbar. Und bei dem Gedanken daran, dass der Namensgeber und Erstbesteiger Hermann Rädler sich 1910 alleine über dieses Schmuckstück geschwungen hat, lässt auch erfahrenere Bergsteiger fast vor Erfurcht erstarren - waren halt damals schon noch richtig wilde Hunde.

    Die Besteigung des Rädlergrates stand allerdings an diesem Tag nicht auf dem Plan. Doch auch der "Normalweg" auf diese außergewöhnliche Berggestalt darf bei erfahrenen Bergsteiger als absolut lohnend und eindrücklich angepriesen werden! Für das restliche Bergpublikum gilt allerdings ganz im Ernst - Finger weg und ab auf den Schneck (Vorgipfel). Der kantige Grasgipfel des Himmelhorns lässt sich am angenehmsten über Oytal und Himmelecksattel von Oberstdorf aus kommend besteigen. Doch er weiß sich zu wehren - ein Pickel ist vor allem zur frühen wie auch späten Jahreszeit äußerst ratsam, wenn nicht gar obligat. Geparkt wird in der Nähe der Nebelhornbahn für stolze 6 Euro (Stand 2015), danach geht es am einfachsten mit dem Mountainbike durchs Oytal in mitten der Allgäuer Bergschönheiten hinauf bis zur Käseralpe.

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    Von der Käseralpe hat man einen unglaublich schönen Ausblick auf Himmelhorn, Rädlergrat und Schneckmassiv. Nach kurzer Rast und Schuhwechsel geht hinauf zur Wildenfeldhütte.

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    Zwischen Wildenfeldhütte und Himmelecksattel hat man einen traumhaften Blick auf die ehrwürdige Höfats.

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    Selbe Stelle nur mit Blick auf das Schneckmassiv. Von hier aus wirkt das Himmelhorn wahrlich gar nicht mehr so "gipfelhaft". Auch lässt sich von hier die Route auf dessen höchsten Punkt recht gut einsehen, einzig und allein die Schlüsselstelle der Tour bleibt einem von hier aus verborgen - der äußerst steile Durchschlupf ins obere Bockkar, welche hinter der markanten Rippe halb rechts im Bild beim untersten Schattenfleck liegt.

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    Nach erreichen des Himmelecksattels geht es mit ganz leichtem Gefälle gänzlich ohne Trittspuren hinüber in Richtung Himmelhorn. Das Gras ist teils gut gestuft, die Querung ist kaum anspruchsvoll - sehr wohl aber spannend, da links von einem ein viele hundert Höhenmeter nach unten ziehender Grastrichter gähnt.

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    Vor einer ersten markanten Felsrunse steigen wir knapp 100 Höhenmeter, um unten einfach in diese hinein zu queren. Die Aussicht auf Höfats- und Wildenmassiv ist die ganze Tour über sehr eindrücklich und faszinierend.

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    Die Felsrunse erweißt sich als gut gangbar und so steigen wir in ihr ein gutes Stück wieder an, bis wir ...

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    ... an geeigneter Stelle auf den 45 steilen Grashang hinaus queren, welcher die vorhin erwähnt Grasrippe ausbildet, hinter welcher sich der Durchschlupf ins Bockkar befindet. Die Vegetation ist äußerst üppig, das Steigen macht große Laune.
    Den Grashang hinauf bis in eine kleine Mulde unter den Felsabbrüchen ...

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    ... und in einem leicht fallenden Bogen auf kleiner Gamsspur nach links zur eigentlichen Schlüsselstelle hinüber queren. Auch hier ist die Hangneigung schon steil, die Stelle recht exponiert. Allerdings ist das Gelände überwiegend gut gestuft.

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    In der Schlüsselpassage: es gilt einen gut 60° steilen, felsdurchsetzten Grashang in leicht fallender Linie rüber ins obere Bockkar zu queren (II/T6). Gras- und Felsanteile müssen dringend auf ihren Halt geprüft werden, oft ist dieser etwa 15 Meter lange Abschnitt noch leicht feucht, die wenigen brauchbaren Tritte dadurch schmierig. Mit Pickel und gebotener Vorsicht lässt sich dieses Stückchen aber recht sicher überwinden.

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    Nach dem Durchschlupf ist allerdings weiter Konzentration angesagt. Wir queren leicht fallend auf nun mehr recht kurzem, ungestuftem Gras hinüber zur markanten Graszunge, welche hinauf in die Scharte zwischen Schneckmassiv und Himmelhorn zieht. Mit alten, abgewetzten Schuhsohlen gar nicht mal so angenehm.

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    Dann geht es über die vorhin erwähnte Graszunge in Richtung Sattel zwischen Schneck und Himmelhorn. Der Hang ist meist gut zu begehen, die Steilheit bewegt sich oft zwischen 40-45°. Wir halten uns stets an die begrünten Flecken, der Bröselmergel sollte gemieden werden. Über uns die mächtigen SW-Abbrüche des Schneck.

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    Die Graszunge von oben. Auf diesem Foto kann man gut die drei verschiedenen Varianten der Rippenüberquerung ins Bockkar einsehen. Unsere Variante zu oberst sieht zu gegebener Maßen nicht all zu heftig von hier aus. Die zweite Variante in der Mitte der Rippe - würden wir im nachhinein wohl bevorzugen - und die dritte Varianten ganz unten, welche wohl nur beim Anstieg direkt aus dem Oytal Sinn macht.

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    Der Sattel zwischen Himmelhorn und Schneck ist erreicht, Wetter und Aussicht sind überwältigend. Hinten links thront der Kleine Wilde, welcher ebenfalls eine sehr lohnende Bergfahrt garantiert.

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    Blick vom Sattel auf den Schneck. Der spätere Übergang auf der linken vorderen Rippe bietet nochmal einen Steilgrasanstieg Deluxe, die Schwierigkeiten sind trotz gewaltiger Exposition und dem bis zu 60° steilen Hang dank gutmütiger Stufung überschaubar (II/T5).

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    Der Übergang vom Sattel zum Himmelhorn ist ebenfalls genial spannend. Zunächst muss ein Gratkopf überklettert bzw. die Schneide vorsichtig umgangen werden (I). Wir halten uns stets an der Kante, die Felsanteile sind aber nicht immer zuverlässig, die Ausgesetztheit zumeist atemberaubend.

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    Danach folgen wir dem geschwungen Grat hinüber zum höchsten Punkt des Himmelhorns. Hier der Rückblick vom Gipfel des Himmelhorns auf Gratkopf (wer findet den Jo?) und Scheckmassiv. Rechts im Hintergrund einer der bekanntesten und markantesten Berge des Allgäus: der Hochvogel.

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    Am Gipfel des Himmelhorns. Auch hier haben die vier Jungs vom Bodensee ein kleines weißes Gipfelkreuz im letzten Herbst aufgestellt, welches man auch aus erstaunlicher Entfernung noch sehen kann. Im Hintergrund Lachenköpfe, Laufbachereck und Rotköpfe.

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    Wieder im Abstieg an der Gratkante vom Himmelhorn. Die tatsächliche Ausgesetzheit lässt sich leider nicht mit der Kamera einfangen - hier geht es wirklich extrem luftig zur Sache. Halbrechts der NW-Sporn.

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    Wieder am Sattel angelangt - was für ein erhabener Anblick! Auf der Grasrippe geht es komfortabel hinauf zur Steilstufe, welche von hier noch recht giftig aussieht.

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    Allerdings entpuppt sich das Gelände als hervorragend gestuft, das Steigen macht unglaublichen Spaß. Diese Bild ist direkt von überhalb der Steilstufe gemacht, die Exposition ist wieder mal gewaltig, dennoch definitiv nicht der Schlüsselstelle der Tour (II/T5).

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    Runout in sattem Grün. Der Übergang zum Vorgipfel des Schnecks erfordert noch ein wenig Konzentration, ist aber nicht schwer. Hält man sich stets an der Kante, so genießt man auch hier schöne Tiefblicke.

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    Blick über den Wilder Grat hinweg auf die herrlichen Gipfel der Hornbachkette.

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    Blick vom Vorgipfel des Schnecks auf dessen Hauptgipfel. Ein kurzer Abstecher dorthin muss natürlich sein.

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    Das ganz kurze, etwas ausgesetzte Stück (I-II) beim Übergang vom Vor- zum Hauptgipfel.

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    Mal wieder am Gipfel des Schneck. Nach einer kurzen Pause machen wir uns an den rasanten Abstieg hinab zur Käseralpe. Bei diesen heißen Temperaturen haben wir uns ein Kaltgetränk echt verdient.
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Juli 2015
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