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Empfohlen Schwere Bergtour Novaspitze (2.022m) und Novaturm (2.010m)

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Thom, 13. Oktober 2018.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Ort:
    Isny im Allgäu
    Feines Bergsteigen in grandios einsamer Landschaft ganz im Südwesten des Lechquellengebirges. Die Besteigung des Novaturmes ist anspruchsvoll und nicht ungefährlich.

    Tour-Bewertung:

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    ca. 7,5 Std.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] ca. 1.500 Hm / Strecke ca. 22 km
    [​IMG] Schwierigkeit bis II+ / T6
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung

    [​IMG]Tourengänger: Franzi, Tobi, Matze, Thom

    Hier möchte ich die Besteigung von zwei wenig beachteten aber waschechten Gipfeln des Lechquellengebirges in einem - zumindest außerhalb der Saison - stillen Gebiet vorstellen. Während der warmen Jahreszeit dürfte dieses Gebiet zudem ein Kleinod für Botanikfreunde sein, kann aber auch bei schöner Witterung zur Herbstzeit mit seinen zahlreichen Wildtieren und den farbenfrohen Hängen punkten. Für die Besteigung von Novaspitze und Novaturm eignet sich Marul wohl als bester Ausgangsort. Ein großzügiger Parkplatz am Ortseingang ist auch größeren Touristenanstürmen gewachsen, die Bergwege in diesem Gebiet sich vorbildlich markiert und beschildert. Von Marul steigen wir auf einem Erlebnispfad einige Höhenmeter hinab zum Marulbach und folgen diesem bis hinauf zur Unteren Novaalpe. Danach geht es steiler hinauf zur Oberen Novaalpe in mitten einer eindrücklichen, urigen Bergszenerie und weiter ins Novafürkele. Die Besteigung der Novaspitze über einen schmalen, unmarkierten Steig ist für den geübten Bergsteiger nicht schwer, erfordert dennoch ein wenig Umsicht und Trittsicherheit in teils etwas ausgesetztem, brüchigem Gelände. Nach der Besteigung geht es rasch zurück ins Fürkele und einige Meter dem Wanderweg Richtung Alpe Falidriga folgend hinab auf einen mit zahlreichen Felsen verzierten Wiesenboden direkt auf den Novaturm zu. Südlich unter den beeindruckenden Plattenwänden hindurch und über eine steile, markante Graszunge hinauf in die Scharte. Von dort am Besten stets in Gratnähe mit reichlich Latschenkontakt - diese bieten oft den einzigen Halt - hinauf zum höchsten Punkt des Turmes. Die Unternehmung erfordert auf Grund der hohen Ausgesetztheit und des teils übelst brüchigen Felsen viel Erfahrung und perfekte Trittsicherheit, die Steinschlaggefahr ist hier allgegenwärtig. Wer sich schon beim Einstieg am Grat nicht wohl fühlt sollte dringend umkehren, die Hauptschwierigkeiten kommen erst auf den letzten Metern hinauf zum sehr einsamen Gipfel ohne Buch und Kreuz. Der Abstieg vom Turm über bekannte Route ist wie so oft nochmal etwas kitzliger und erfordert Gespür für die sicherste Route. Schließlich über die Grasrampe steil wieder hinunter auf den Karboden und ohne Schwierigkeiten über die Faludriga Alpe noch einige Kilometer hinab ins Tal der Marul und zurück zu unserem Ausgangspunkt.

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    Der Aufstieg von Marul über das Tal des Marulbaches hin zur Unteren Novaalpe hier im Rückblick. Rechts die Höfe von Oberhof, über welche unser bequemer Rückweg führen wird.

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    Der Aufstieg über eine kleine Klamm hinweg zur Unteren Novaalpe ist kurzweilig und sehr interessant, besonders wenn man noch nie in diesem Gebiet unterwegs war. Der Weiterweg auf seichten Pfaden hinauf in Richtung Novafürkele ist zwar in gewisser Weise recht eintönig, doch mit steigender Höhe erscheinen herrlich bizarre Felsgestalten, die dem aktuellen AVF nicht mal eine Erwähnung wert waren. Andererseits lässt das wiederum Platz für herrliche Erkundungstouren in den nächsten Jahren zu.

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    Blick hinüber zu Kellaspitze und Breithorn beim Anstieg zur Oberen Novaalpe.

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    Die Obere Novaalpe ist nach knapp 2 Stunden erreicht.

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    Das Wetter bessert sich wie vorhergesagt und so können wir die herrlichen Fernblicke hinüber zum Hohen Fraßen und den Gipfeln des Dornbirner Firsts genießen.

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    Kurz unterhalb des Novafürkele, links davon die bekreuzte Novaspitze.

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    Ankunft am Fürkele. Wir folgen einer gut sichtbaren Trittspur zunächst links unter den Kammfelsen hindurch in die wärmende Sonne.

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    Ausblick über den Talkessel der Faludriga-Alpe hinweg hin zu den Gipfel des südlichen Lechquellengebirges. Ganz rechts die Rote Wand, gefolgt von Formarin-Rothorn, Lusgrind, Hanflender, Formarin-Schafberg, Pitschiköpfe und Weißes Rössle.

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    Novafürkele. Hinten der Faludriga Novakopf, welcher sich auch noch in die Runde einbauen lassen würde. Allerdings haben wir für ihn schon andere Pläne, daher verzichten wir heute auf eine Besteigung.

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    Auf schottrigem Pfad geht es der Novaspitze entgegen. Rechts spitzelt zum ersten mal der Novaturm hervor, welcher ungleich wilder und unzugänglicher daher kommt, wie sein "spitzes" Pendant.

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    "Wow" - was ein in Stein gegossener Zapfen. Sieht wenig einladend aus, man hätte ein Seil mitnehmen sollen! Aber ganz so wild wird es dann über den NO-Grat des Berges dann doch nicht. Für mich ist die Tatsache, dass Herr Sohm bei seiner 1. Besteigung (Solo) seine Route über die hier fast senkrechten Platten der Südwand gelegt hat, mehr als faszinierend - und auch ein wenig beängstigend. Die Burschen von damals waren halt doch die Wildesten!

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    Schöne steile Felsrinne (I), das Gestein ist recht brüchig, es gibt aber auch feste Anteile.

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    Der eigentliche Gipfelaufbau der Novaspitze zeigt sich dann auch schroffer. Hier nicht dem Wildwechsel nach rechts folgen, sondern links vor den Latschen vorbei. Danach wird sofort wieder das Steiglein sichtbar.

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    Über splittrige Schrofen geht es die letzten Meter hinauf zum Gipfel mit herrlicher Aussicht.

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    Keine Menschenseele weit und breit - ein herrlicher Bergtag mit milden Temperaturen - was will man mehr? Im Hintergrund die Gamsfreiheit und der Elser Novakopf.

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    Ein direkter Übergang zum Turm stellt keine Option dar, daher geht es auf bekannten Weg zurück zum Fürkele. Hinten rechts die Rote Wand, mittig die Bettlerspitze und halb links die Hohe Künzelspitze.

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    Geniale Herbstfarbe - richtig lecker! Es lässt sich von hier aus schon erahnen, dass der Rückweg nach Marul schon noch ein paar Stunden entfernt ist.

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    Abstieg vom Fürkele hinab auf den Wiesenboden, der bizarre Novaturm verändert zunehmend sein Gesicht. Unsere Grasrampe liegt direkt links vom namenlosen Felskopf hinter dem Turm.

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    Im Wiesenboden angekommen - wie saugen die unendliche Ruhe in uns auf - vergessen allen Alltagskram.

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    Es wird ernster - wir queren auf günstigster Linie über Grasschrofen unter den Vorbauten der Novaturm-Südwand hinüber zur Grasrampe.

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    Anschließend über die steile Grasrampe hinauf in die schon sichtbare Scharte.

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    Blick von der Scharten auf den unteren NO-Grat des Novaturmes. Sieht urig und wild aus -ist es auch. Auch wenn der Schein trügt, am Besten ist man definitiv am Grat aufgehoben ...

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    ... wir entscheiden uns beim Aufstieg die ersten Grataufschwünge links herum zu umgehen, was uns sehr steile, etwas steinschlaggefährdete Grasschrofenkraxelei (I/T5-6) beschert, welchem im Abstieg sicherlich etwas ungemütlich werden würde.

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    An diesem Felsenfenster erreichen wir wieder den Grat, für den Abstieg nehmen wir uns den unteren NO-Grat zur Brust, verzichten gerne auf die sehr ausgesetzte Bröselrampe vom Aufstieg.

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    Vom Felsenfenster aus geht es in anregender IIer-Kletterei über eine leicht ausgesetzte Felsrampe empor. Am Ausstieg der Rampe sehr hohe Steinschlaggefahr, hier darf sich nichts lösen.

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    Weiter geht es ausgesetzt direkt am Grat (II) oder knapp links daneben durch Latschengebüsch.

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    Gipfel voraus. der nächste Aufschwung wird links mit etwas Latschengewühle umgangen, dann geht es wenige Meter hinab auf einen riesigen Klemmblock (früher hier Spreizschritt über die Schlucht) und ...

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    ... in die teils widerlich brüchige Gipfelwand des Novaturmes, welche nach oben hin sauber aufsteilt - ein sattes Finale erwartet uns. Hier muss jeder Griff und Tritt mehrfach geprüft werden, oft bleiben einem nur halbfeste Felsbrocken zur Wahl, was die Unternehmung nicht ganz risikofrei gestaltet. Dies sollte man vor einer Besteigung immer bedenken.

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    Der Blick vom Gipfel zeigt ganz gut die Steilheit, jedoch nicht die heftige Ausgesetztheit des Geländes. Direkt unter einem gähnt eine Steilrinne ins Nichts der Südwand. Der Ausstieg aus der kleinen Gipfelwand vollzieht sich über einen kurzer IIer-Kamin - Griffe und Tritte sind, wen wundert's, alles samt wenig vertrauenerweckend. Rechts unter mir der Klemmblock, über welchen "gewackelt" werden darf.

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    Dann ist der höchste Punkt des Novaturmes erreicht. Da der vor uns liegende Abstieg etwas heikel wird, verweilen wir nicht lange an diesem, sondern steigen vorsichtig über das Gipfelwändchen wieder hinab.

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    Anvisieren und drüber balancieren - dank Klemmblock ist die Stelle nicht mehr so wild wie früher, dennoch befindet man sich hier in mächtiger Exposition und darf keinen Fehler machen.

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    Wir steigen bis zum auffälligen Felsenfenster am Grat zurück - dann geht es knapp 5 Meter sehr steil (II+) und hart ausgesetzt an mehr oder weniger festen Henkeln hinauf zur Grathöhe und anschließend über steile Felsschrofen (I und II) und viele Latschen auf sicherster Route zurück in die Scharte.

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    Wieder auf sicherem Boden. Im hintergrund recht unscheinbar die Novaspitze (halb links) und der Novaturm mit seinem latschengewachsenen NO-Grat.

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    Gemütlich geht es weiter hinüber zur Alpe Faludriga.

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    Von dieser dann in unzähligen Kehren hinab ins Tal des Marulbaches. Hinten das Breithornmassiv.

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    Herbstfarben säumen den weiten aber entspannten Rückmarsch nach Marul, eine würzige und außergewöhnliche Tour neigt sich dem Ende zu - genau so wie die Bergsaison 2018.
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. Dezember 2018
    Jens und Manu gefällt das.