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Empfohlen Mittelschwerer Klettersteig Paternkofel (2.744m), Sextener Stein (2.539m) und Toblinger Knoten (2.617m)

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Thom, 16. Oktober 2017.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Ort:
    Isny im Allgäu
    Sehr beliebte Tour in gigantischer Umgebung mit Steiganlagen und Tunnelsystemen sowie exquisiten Blick auf die Drei Zinnen. Nur außerhalb der Bergsaison empfehlenswert - dann aber äußerst lohnend!

    Tour-Bewertung:

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    ca. 6 Std.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] ca. 800 Hm / ca. 15 km
    [​IMG] Schwierigkeit I / C
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung

    [​IMG] Tourengänger: Franzi, Tobi, Manu, Thom

    Im Nachhinein bin ich mir nicht mehr ganz sicher, was mich bei dieser herrlichen Rundtour um die Drei Zinnen mit Besteigung der im Titel erwähnten drei Gipfel mehr beeindruckt hat. Zum einen das weltbekannte Felsen-Trio, mit den berühmt berüchtigten Nordwänden, über welche man schon so viel gelesen und gesehen hat. Zum Beispiel die Free-Solo-Begehung von Alexander Huber der "Hasse-Brandler-Führe" (VIII+) durch die Nordwand der Großen Zinne im Jahre 2002 oder Gerhard Baurs technisch gekletterte Direttissima durch das Riesendach (größter Überhang der Alpen) der Westlichen Zinne im Jahre 1968. An diesem Ort kann man sich getrost klein fühlen - und das nicht nur auf Grund der gewaltigen Dolomitpfeiler die majestätisch gen Himmel streben - vielmehr dank der Tatsache, dass hier an diesem Ort so unglaublich viel Bergsteigergeschichte geschrieben wurde, so viele außergewöhnliche und unglaubliche Leistungen vollbracht wurden, sich aber auch zahlreiche Tragödien ereigneten. Ein für mich monumentaler Flecken Erde, ein Kletter- und Bergsteigermekka erster Güte, allerdings halt auch ein äußerst beliebtes Touristenziel, was der Gegend auch außerhalb der Saison an schönen Sonnentagen eine wahre Flut an Menschenmassen in dieses herrliche Gebiet spült. Zum anderen beeindruckt einen - im besonderen bei der Paternkofelüberschreitung - aber auch der militärhistorische Hintergrund in diesem Gebiet, bewegt man sich hier doch teilweise in künstlich geschaffenen Quergängen, Kavernen und Höhlensystemen, welche vor gut 100 Jahren nur aus einem einzigen Grund aus dem Fels gehauen wurden - um Krieg zu führen.
    Wer sich für die hier vorgestellte, abwechslungsreiche Runde entscheidet, der sollte keinesfalls auf die Mitnahme einer Stirnlampe und einem Helm verzichten. Die zu begehenden Tunnel sind oft stockdunkel, die Decken an manchen stellen nur einen knappen Meter hoch. Schwächeren Aspiranten ist auch die Mitnahme eines Klettersteigsets für die Steiganlage am Paternkofel (B) und Toblinger Knoten (C) absolut zu empfehlen. Der Abstieg vom Paternkofel über die Gamsscharte hinab zur Drei-Zinnen-Hütte ist zwar zumeist aber nicht komplett stahlseilversichert und kann zur späten Jahreszeit gern auch schon vereist sein, was schwächeren Gehern schnell Probleme bereiten kann, also Obacht. Der Sextener Stein hingegen kann einfach von Norden her erklommen werden. Für die Besteigung des Toblinger Knoten - ein einstiger Spähposten zu Zeiten des Gebirgskrieges - braucht etwas Klettersteigerfahrung und im besonderen am steilen Leitersteig (C) absolute Schwindelfreiheit. Abgestiegen wird über den deutlich leichteren Feldkurat-Hosp-Steig (B). Bequemer Ausgangspunkt für unsere Rundtour ist die mit dem Auto über Misurina gut zu erreichende Auronzohütte (Mautgebühr 2017: 26 € / Auto!). Andere Zustiegsmöglichkeiten: vom Dürrensee aus oder Start in Sexten, dann aber jeweils 1.000 Höhenmeter mehr.

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    Zu Tourenbeginn haben wir echtes Traumwetter. Am Parkplatz der Auronzohütte herrscht schon reges Treiben. Wir steigen von der Hütte unter den Südwänden hindurch in Richtung Lavaredo-Hütte. Hier der Ausblick auf das große Massiv des Monte Cristallo (rechts) und Tofana (hinten links).

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    Unter den Südwänden der Drei Zinnen.

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    Vorbei an der Cappella degli Alpini.

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    Kurz vor erreichen des Paternsattels über der Lavaredo-Hütte. Der von hier aus recht behäbig wirkende Paternkofel wird zum ersten mal sichtbar. Rechts daneben die deutlicher wenig frequentierte Cime Passaporto.

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    Im Paternsattel angelegt, dahinter die drei gewaltigen Zinnen - was ein majestätisches Felskastell. Von der Scharte geht es über einen sanften Kamm in nordöstlicher Richtung zum Beginn des Paternkofel-Steiges.

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    Das Tunnelportal markiert den Steigbeginn. Klettersteigset, Helm und vorallem Stirnlampe sind empfehlenswert.

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    Die ersten Meter durch ein kurzes Tunnelsystem sind abenteuerlich und recht eng. Absolut genial.

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    Immer wieder sind kurze Passagen versichert, im Herbst ist mit Schneeeinlagerungen zu rechnen. Schwierigkeiten sind dennoch kaum vorhanden.

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    Paradeausblick auf die Drei Zinnen aus dem ersten Quergang am Paternkofelsteig - besser geht's nicht!

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    Danach wechselt der Steig von der schattig-kalten Nordseite auf die sonnendurchflutete und herrlich warme Südseite.

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    Auf komfortablen Wegen schlendern wir weiter.


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    Blick durch ein künstlich geschaffenes Felsenfenster hinüber zur Hohen Gaisl, dem - für mich persönlich - nach den Drei Zinnen eindrücklichsten Berge der Sextener Dolomiten. Was auf dem Foto leider nicht so zur Geltung kommt sind die annähernd blutroten Südwände des Massivs.

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    Im leichten Auf und Ab steigen wir der Gamsscharte entgegen.

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    Sehr beeidruckend - die Cima Passaporto direkt südlich des Paternkofels.

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    Kurz unterhalb der Gamsscharte befindet sich der Einstieg zum Gipfelsteig des Paternkofels (B). Im Gegensatz zur Hauptsaison ist es mit den 25-30 Personen vor uns fast wie ausgestorben. Die letzten Meter hinauf zum Einstieg sind recht brüchig und verlangen Trittsicherheit - ebenso ist hier Steinschlag tunlichst zu verweiden.

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    Nach kurzer Querung am Einstieg geht es dann rechts herum zunächst steil hinauf (B).

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    Aber das Gelände wird schon bald wieder milder und mit einigen leichten Armzügen ist der erste Steilaufschwung rasch überwunden. Der Steig macht trotz seiner Einfachheit Laune, die Stimmung ist großartig. Richtung Gipfel geht es dann über Bröselbänder, zumeist unversichert.

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    Kurz unterhalb des Gipfel gilt es noch eine kaminähnliche Rinne zu überwinden (kaum I). Auch hier dürfen keinerlei Steine los getreten werden!

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    Am Gipfeld des Paternkofels. Leider trübt das Wetter ein wenig ein, der kalte Winde lässt uns nur kurz verweilen.

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    Blick vom Paternkofel auf die wunderhübschen Drei Zinnen.

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    Für den Abstieg am Paternkofel wählt man stets die linke (von unten gesehen) Steigvariante, welche sogar über die etwas rassigere Linie im Fels verfügt (kurz B/C - sonst B und leichter).

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    Blick aus der Gamsscharte hinüber zu den berühmten Dreischusterspitzen und der vorgelagerten Schusterplatte.

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    Der Abstieg von der Gamsscharte hinunter zur Drei-Zinnen-Hütte kann zur späteren Jahreszeit gern mal mit Schnee und Eis bedeckt sein, etwas Erfahrung und vor allem Trittsicherheit sind hier wichtig. Zumeist hat man zwar ein Stahlseil zur Hand (A/B). Es gibt aber auch unversicherte Stellen, welche aufgrund der Ausgesetztheit wenig Fehler bei schlechten Verhältnissen verzeihen.

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    Am Steigende befindet sich ein großer Höhleneingang, in welchen man unbedingt einsteigen sollte. Über die Galleria Paterna steigt man ca. 10-15 Minuten innerhalb des Berges hinab zur Drei-Zinnen-Hütte - einfach nur genial!

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    Aufwendig in den Fels gelegte Steige und Höhlen bestimmen den Abstieg zur Drei-Zinnen-Hütte.

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    Blick hinüber zur schon nahen Drei-Zinnen-Hütte mit Sextener Stein und Toblinger Knoten im Hintergrund. Im Vordergrund kann man das "Frankfurter Würstchen" sehen, ein filigraner Felszapfen aus Hauptdolomit.

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    Rückblick auf den soeben überschrittenen Paternkofel von knapp oberhalb der Drei-Zinnen-Hütte.

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    Auf gut markierten Wegen geht es hinüber zum Toblinger Knoten. Für den Aufstieg empfiehlt sich der Leiternsteig, welchen man am einfachsten erreicht, in dem man den Felsturm des Toblinger Knoten links umgeht.

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    Während wir zu dritt uns an den Toblinger Knoten machen, stattet Manu dem Sextener Stein einen Besuch ab.

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    Einstieg Leiternsteig (C).

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    Beginn der 17 Leitern. Die alten Holzelemente zeugen aus einer längst vergangenen, wenig friedlichen Zeit.

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    Die Leitern vereinfachen den sehr steilen Anstieg doch erheblich, dennoch tut das dem Spaß an der Unternehmung keinen Dämpfer.

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    Luftig geht es aufwärts (B/C).

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    Auch das letzte drittel des Steiges ist genial steil und äußerst luftig. (B)

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    Am Gipfelkreuz des Toblinger Knoten. Hinten rechts der Haunold, der "große Bruder" der Allgäuer Roßkarspitzen.

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    Über einen kurzen Mauergrat machen wir uns anschließend wieder an den Abstieg. Hinten links thront die mächtige Zwölferspitze und rechts daneben der Paternkofel mit seinem zerklüfteten Südgrat.

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    Abstieg über den Feldkurat-Hosp-Steig (A/B).

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    Beim Abstieg nochmal ein leckerer Ausblick auf den zackigen Haunold - beim nächsten Urlaub sicher auch ein lohnendes Ziel in der Sextener Gegend.

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    Malerischer Blick über den Lago dei Piani auf Zwölfer und Einserkofel, ganz links dahinter die Sextener Rotwand.

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    Drei-Zinnen-Hütte mit Sextener Stein. Von hier geht es imposant unter den Nordwänden der Drei Zinnen entlang, immer in Richtung Col de Mezzo.

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    Paternkofel.

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    Nochmal arbeitet sich die Sonne durch die diesige Wolkenschicht und hüllt die Sextener Bergwelt in ein weiches Licht.

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    Direkt unter den Nordwänden der drei Zinnen - außergewöhnlich an diesem Tag: keinerlei Kletterbetrieb!

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    Kleine Zinne im Herbst.

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    Ein letzter Blick zurück zum Paternkofel. Rechts gut sichtbar, das Riesendach der Westlichen Zinne.

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    Abstieg vom Col de Mezzo zurück zum Parkplatz der Auronzo-Hütte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. November 2017
    Tobias und Manu gefällt das.