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Empfohlen Klettern SW-Kante Babylonischer Turm (IV+) und Kelleschrofen

Dieses Thema im Forum "Klettern & Bouldern" wurde erstellt von Thom, 16. Juli 2023.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Isny im Allgäu
    Sehr alpine und ruhige Unternehmung, die trotz des geringen Schwierigkeitsgrades in Gänze den kompletten Alpinisten fordert. Die beiden Gipfel erhalten nach wie vor kaum je Besuch.

    [​IMG] Tourenzeit ca. 7,5 Std. / Kletterei ca. 2,5 Std.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] ca. 1.100 Hm / ca. 200 Hm Kletterei
    [​IMG] Schwierigkeit IV+
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung

    [​IMG]Tourengänger: Tobi, Thom

    Vor ziemlich genau 10 Jahren durfte ich schon einmal diese zwei recht abweisenden Berggestalten besuchen, damals jedoch ohne Seil - was die ganze Unternehmung nochmal anspruchsvoller und risikoreicher gestaltete, als die seilgesicherte Begehung der hier vorgestellten SW-Kante des Babylonischen Turms. Aber auch mit Seilunterstützung muss jedem Tourenaspiranten klar sein - am Kelleschrofen und am Babylonischen Turm ist stets der komplette Bergsteiger gefordert. Schon seit längerer Zeit haben Tobi und ich auf die Südwestkante des Turmes geschielt, den richtigen Zeitpunkt für eine Begehung aber nie erwischt bzw. "lohnendere Ziele" bevorzugt. Allerdings gibt es in der Kletteroute der SW-Kante überraschend schöne und wirklich lohnende Kletterabschnitte, welche für den niedrigen Schwierigkeitsgrad ungewöhnlich steil und anspruchsvoll sind. Bei unserer Begehung waren 4-5 Bohrhaken mehr anzutreffen, als wir dies aus den gängigen Topos der Kletterführer zuvor entnehmen konnten, was einem die ein oder andere Absicherung mit Friends oder der gleichen erspart. Dennoch ist die Route durch ihren alpinen Charakter geprägt und gewiss nicht "übersichert". Hin und wieder darf mobil gesichert oder mit Schlaufen die bestehenden Sicherungen verlängert werden, um so die Seilreibung entsprechend zu verringern. Auch ist aufgrund der längeren Hakenabstände ein Gespür für den besten Kletteranstieg von Vorteil. Unserer Meinung nach reicht ein 60m-Einfachseil für die Begehung, auch wenn dadurch zwischen den Abseilständen in der Südrinne zwischen Babylonischem Turm und Kelleschrofen kurz seilfrei gegangen werden muss - allerdings im leichten Gelände - hierzu später aber noch genaueres. Nach der Ersteigung des Babylonischen Turmes bietet sich natürlich noch der Übergang zum nahegelegenen Kelleschrofen an, dieser ist aber kein klassischer "Mitnahmegipfel". Der Übergang erfordert perfekten Tritt, trockene Verhältnisse, ein wenig Kletterfertigkeiten und einen geschulten Blick für feste Felspassagen und die sicherste Durchstiegsroute. Auf der selben Route geht es dann zurück in die Scharte zwischen beiden Gipfeln, dann folgt dreimaliges Abseilen und ein alpiner Steilgrasabstieg ins Sabachjoch. Als Ausgangspunkt wählen wir heute den großen Parkplatz an der Krinnenspitzbahn, das schont Geldbeutel und Nerven, kostet zudem nur wenige Minuten mehr Zeitaufwand bei Auf- und Abstieg.

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    Rückblick beim Anstieg zum ausgeschilderten Sabachjoch zu den Gipfeln der Allgäuer Alpen.

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    Objekt der Begierde direkt voraus. Schon von hier aus ist die steile Südwestkante des Babylonischen Turmes gut auszumachen, rechts daneben der nicht weniger abweisende Kelleschrofen, gefolgt vom tiefergelegenen Sabachjoch. Wir steigen noch ein wenig weiter dem Wanderweg folgend, bis sich dieser verzweigt. Danach geht es weglos direkt links am großen Latschenfeld hinauf, später halb rechts über mäßig steile Grasschrofen direkt der Kante entgegen, welche in einer schuttigen Rinne fußt.

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    Die letzten Meter hinauf zum Beginn der Kante, die Kletterei startet halb links direkt aus der Runse heraus.

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    In der 1. Seillänge (IV-). Zunächst recht vernünftiger Fels, hinauf zum ersten Stand geht es dann über brüchiges Schrofengelände, hier ist Steinschlag zwingend zu vermeiden.

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    Die zweite Seillänge (IV+) ist dann schon deutlich alpiner und lohnender. Kurz über eine sperrige Platte hinweg hinauf in einen schmalen Stemmkamin und anschließend luftig steil über meist vernünftigen Fels zu Stand. Für den Schwierigkeitsgrad recht knackige und steile Kletterei, aber äußerst lohnend.

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    Die 3. Seillänge (II) ist kaum 20 Meter lang und von Grasschrofen geprägt.

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    Danach geht es wieder steiler zur Sache. Hier der Beginn der 4. Seillänge, über festen Fels geht es schön etwas nach links hinaus zu einer schwarzen Schlinge, mit zunehmender Höhe wird das Gelände wieder zahmer.

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    Am Beginn der 5. Seillänge wartet dann die kompakteste Felspassage auf uns. Sieht zunächst recht wild aus, löst sich dann aber genial auf (IV+). Ein feiner Quergang, welcher recht gut gesichert ist und weiter oben dann wieder in allgäutypischem Grasschrofengelände (bis III) endet.

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    Blick zurück in die schöne 5. Seillänge. Hinten die grasige Schneidspitze.

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    Die 6. Seillänge ist äußerst abwechslungsreich. Zunächst geht es steil über einen Bohrhaken fast senkrecht (III+) nach oben, danach auf sich verjüngendem Band scharf rechts über einen sehr ausgesetzten Quergang hinweg (IV-), welcher auch im Nachstieg sicher geklettert werden muss, hinüber zum letzten Stand. Einen weiteren Haken nach dem ersten Steilaufstieg lassen wir außer acht, dieser markiert wohl die Ausstiegsvariante (V+), welche allerdings über keine weiteren Bohrhaken verfügen soll.

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    Der luftige Quergang der 6. Seillänge ist göttlich, hätte ich bei weitem nicht so spannend erwartet.

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    Aufgrund der weiteren Hakenabstände muss hier sicher geklettert werden. Leider haben wir kein Foto aus der 7. und letzten Seillänge. Vom Stand geht es luftig in einen Kamin (IV+) und durch den linken Rinnenast (2 Bohrhaken) in zumeist gutem Fels, schnell leichter werdend, hinauf zum Gipfel des Babylonischen Turmes.

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    Am nur selten besuchten Gipfel des Babylonischen Turmes angekommen. Nach kurzer Pause ...

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    ... steigen wir etwas ausgesetzt über die Rippe hinab zur Scharte, welche die beiden Gipfel trennt, ab (II-III). Gutes Aufwärmprogramm für die nun anstehende Besteigung des Kelleschrofens.

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    Typisches Gelände beim Aufstieg zum Kelleschrofen (bis III) . Der nicht immer verlässliche Fels will gut geprüft sein, die Ausgesetztheit und das anspruchsvolle Gelände verzeihen keinerlei Fehler.

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    Nach ca. 20 Minuten haben wir dann den sehr einsamen Gipfel des Kelleschrofens erreicht. Das Gipfelbuch von 1972 ist zwar in keinem guten Zustand, allerdings ist noch eine Menge Platz für weitere Einträge. Dieses Jahr waren wir erst die zweiten, welche sich hier eingeschrieben haben.

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    Wieder auf dem Weg zurück zur Scharte.

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    Nachdem wir diese erreicht haben, wird abgeseilt. Vom ersten Abseilstand kommt man bis unter die Schlüsselstelle der Südschlucht. Danach geht es ein paar Meter zu Fuß im Rinnengrund (I) zum nächsten Abseilstand. Dieser ist leider nicht im Top-Zustand, der zweite Bohrhaken ist einen guten Zentimeter aus dem Fels herausgezogen, der Klebehaken sitzt aber noch bombenfest. Von hier aus zunächst über Schrofen zur nächsten Geländekante und dann sehr steil hinab zu markantem Fels mit einem einzelnen Abseilhaken.

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    Dieser Abseilhaken hat leider schon einen Felstreffer bekommen, ist daher etwas krumm gebogen, was beim Seilabzug später zur Herausforderung werden kann. Also bitte die Seillage dringend beachten. Über hier sichtbares Schrofengelände geht es dann soweit das Seil reicht nach unten. Wir wählen für den weiteren Abstieg ins Sabachjoch die Querung nach links unter dem Kelleschrofen hindurch (T5).

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    Schon lange nicht mehr live gesehen - die berühmteste Alpenblume - der Edelweiß.

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    Rückblick von kurz unterhalb des Sabachjoches auf unsere heutigen Gipfelziele. Links die Kellenspitze.

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    Die formschöne Gehrenspitze grüßt von gegenüber. Der sehr lohnende Westgrat ist von hier aus nur schwer auszumachen, links davon der Sabachgrat. Auf bekanntem Wanderweg geht es dann rasch zurück zum Auto.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. November 2023