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Empfohlen Schwere Bergtour Von Zams auf den Bergwerkskopf (2.728m)

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Thom, 18. September 2011.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    17. September 2008
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    Isny im Allgäu
    Mächtige und anspruchsvolle Felstour auf einen sehr eleganten Gipfel hoch über dem Steinsee.
    Still, imposant und absolut kernig.

    Tour-Bewertung:


    [​IMG] Gehzeit: ca. 7 Std.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] Strecke ca. 1.650 Hm / 16 Km
    [​IMG] Schwierigkeit T5-6 / III-
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung (nur für erfahrene Bergsteiger !!!)

    [​IMG] Tourengänger: Tobias, Johannes, Thom

    Eingerahmt von vier mächtigen Karen - Steinkar, Großkar, Tagkar und Nachtkar - thront dieser mächtige,
    2.728 Meter hohe aus Hauptdolomit bestehende Gipfel am südlichen Rand der Lechtaler Alpen. Vermutlich wurde dieser Gipfel schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts von Gamsjägern erstiegen - jedoch galt er aufgrund eines gewaltigen Bergsturzes, der die Gipfelgestalt grundlegend veränderte, bis Ende des 19. Jahrhunderts als unbesteigbar. Sogar solche Bergsteigergrößen wie Anton Spiehler musste die Erstbesteigung 50 Meter unter dem Gipfel abbrechen und umkehren.

    Auch heutzutage gibt es keinen einfachen Anstieg auf diese einmalige Aussichtskanzel. Trotz zahlreicher Markierungen und Steinmannl im Bereich des Gipfelaufbaus, verzeichnet das Gipfelbuch gerade mal 10-15 Einträge pro jahr - und das obwohl mit der Steinseehütte sich ein perfekter Stützpunkt in unmittelbarer Nähe zum Bergwerkskopf befindet. Diese Tatsache macht die eh schon lohnende - aber auch anspruchsvolle - Besteigung des Hauptdolomitgiganten zu einem wirklichen Bergsteigerschmankerl in den Lechtaler Alpen. Der Gipfelaspirant sollte neben etwas Kondition auch über perfekte Trittsicherheit und Schwindelfreiheit verfügen und sich auch in länger anhaltenden Kletterpassagen bis III- (teilweise sehr ausgesetzt) wohl fühlen.

    Unsere Tour startet an der 1.251 Meter hoch gelegenen Alfuz-Alpe. Diese erreicht man bequem von Zams aus mit dem PKW über einen relativ gut befahrbaren Forstweg. Tiefergelegte Sportschüsseln sollte man aber sicherheitshalber zu Hause in der Garage lassen. Von Imst her auf der B171 kommend zweigt dieser Feldweg vor der Autobahnunterführung kurz vor Zams nach rechts in Richtung "Steinbruch" ab. Nach etwa 15 Minuten erreicht man einen kleinen Parkplatz an der Alfuz-Alpe, wo Gäste der Steinseehütte ihren PKW kostenlos abstellen können. Ab dem Parkplatz folgen wir dem beschilderten Weg hinauf zu Steinseehütte - theoretisch können "Fußlahme" zusätzlich ein Fahrrad bis zum Hinterstargg auf 1.614 Meter für den Rückweg mitführen - welche wir nach strammen 90 Minuten Fußmarsch durch Wind und Regen erreichen.

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    Das Wetter lässt uns zu Beginn der Tour mächtig im Stich und so fluchen wir uns in hohem Tempo hinauf zur Steinseehütte. Dieses Foto wurde am Hinterstargg aufgenommen. Im Hintergrund ist schon die markante Felsnadel des Spiehlerturmes zu erkennen. Nach erreichen der Steinseehütte beschließen wir erst einmal einen heisse Tasse Tee / Kakao zu genießen und auf Sonnenschein zu warten, welcher allerdings noch eine knappe Stunde auf sich warten lässt. Dann geht's endlich weiter hinauf zum Steinsee.

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    Auf dem Weg hinauf zum Steinsee macht der Himmel dann komplett auf - das triste und nasse Grau weicht einem herrlichen Blau. Mittig im Vordergrund der hüttennahe Mittelkopf (2.390m) und dahinter leicht nach links versetzt die Leiterspitze (2.750m).

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    Nach ca. 20 Minuten ist der Steinsee von der gleichnamigen Hütte aus erreicht. Mächtig thront der Bergwerkskopf darüber, allerdings herrscht morgens immer starkes Gegenlicht. Unser nächstes Ziel ist der Fuß der Westwand. Von dort geht es nach rechts über eine zunächst breite Schuttrinne, immer direkt unter der brüchigen Westwand - daher heisste es ab hier - Helm auf!

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    Im Aufstieg über den Geröllhang unterhalb der Bergwerkskopfwestwand - der deutlich angenehmer zu beschreiten ist, als dies allgemein behauptet wird und mit einer maximalen Steigung von 30-35° dem geübten Geher keine nennenswerten Probleme bereitet - mit genialem Blick zurück auf die grazilen Nachbarn des Bergwerkkopfes. Dremelspitze, Schneekarlespitze und Steinkarspitze (v.r.n.l.). Davor der kleine Steinsee.

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    Blick aus dem Geröllhang hinauf zur Westwand des Bergwerkkopfes. Von hier ist die nach rechts ziehende Geröllrampe, die die nassen Felswände erst passierbar macht, nicht zu sehen.

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    Im Rücken immer den gigantischen Ausblick auf die umliegende Gipfel des Parzinns und der Medriolgruppe.

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    Die letzten Meter hinauf zum Fuß der Westwand.

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    Auf dem breiten Band steigen wir nun Richtung Süden. Nachdem wir die Westseite des Bergwerkskopfes verlassen haben, geht es endlich ans Eingemachte.

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    Ein erster steilerer Aufschwung leitet uns südseitig hinauf in Richtung Gipfelaufbau (I-II). Die Orientierung fällt dank einiger roter Markierungen am Fels nicht schwer, der Fels selbst ist nicht immer ganz zuverlässig. Für die Begehung des Bergwerkskopfes ist ein Helm daher wirklich ratsam.

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    Hier der gezoomte Gipfelaufbau aus der ersten Kletterpassage heraus fotografiert. Auch von Südosten zeigt sich der Berg von seiner unnahbaren Seite.

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    Nach dem ersten steilen Aufschwung queren wir nun hinüber direkt an den Gipfelaufbau heran. Bevor wir diesen erreichen, geht es wenige Schritte hinab in eine kleine Scharte, ...

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    ... aus welcher man über ein steile Felsstufe (II) an den Gipfelaufbau heransteigt. Die Passage ist etwas ausgesetzt, jedoch sind die Felsanteile überwiegend fest.

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    Die eben beschriebene Stelle nochmals von oben fotografiert. Es gibt eine Vielzahl an Griffen und Tritten, der Aufstieg fällt nicht wirklich schwer. Danach queren wir über ein Geröllband in der Südflanke hinüber zu einem auffälligen Kamin.

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    In der Querung der Südflanke. Der nun folgende Kamin ist aufgrund zahlreicher Felsstürze nicht kletterbar, da einige Felstrümmer den Ausstieg versperren. Vielmehr steigt man also in der linken Begrenzungswand (rote Markierungen) dieses Kamins an (III-).

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    Die linke Begrenzungswand des Kamins ist sehr steil, bietet im mittleren Abschnitt nur spärliche Griffe und Tritte, der Fels ist jedoch überwiegend zuverlässig. Gute 8 Meter geht es aufwärts, bevor man nach rechts auf schmalen Tritten und plattigen Griffen sehr ausgesetzt hinaus quert. Tritte und Griffe sollten hierbei stets sorgfältig auf ihren Halt überprüft werden. Ein Fehler bzw. Felsausbruch endet hier tragisch!

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    Blick von oben auf die linke Begrenzungswand des Kamins. Eine spannende sowie auch anspruchsvolle Stelle, die Schwierigkeiten in der darauffolgenden Querung sind ähnlich zu bewerten. Insgesamt eine längere Kletterei im oberen II. bzw. unteren III. Grat - herrlich!

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    Nach dem kleinen Quergang kommen wir nun zum gehtechnisch anspruchvollsten Abschnitt. Zunächst auf erdigem Band hinauf zu den Felsen, dort auf teils abschüssigen, schmalen und geröllbedeckten Tritten hinauf zu einem Felsaufschwung.

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    Über diesen Aufschwung (I-II) hinweg und auf steilem, feinem Geröll hinauf zum Riss, über den man in schwieriger Kletterei (III) hinauf zum Gipfelgrat und nach rechts zum Kreuz aufsteigen kann.

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    Wir entscheiden uns für die zweite Variante: der Aufstieg über die abschüssige und sehr ausgesetzte Gipfelplatte (III-). Reibungsklettern in luftigen Höhen - eine ganz besondere Erfahrung.

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    Tobias am oberen Plattenausstieg. Unter dem kleinen Überhang findet man ausreichend halt an überwiegend festen Griffen - dennoch ist hier Vorsicht geboten.

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    Nach einer weiteren kurzen Stufe (I+) gelangen wir hinauf zum kleinen Kreuz dieses fantastischen Gipfels. Man genießt von hier einen gigantischen Weitblick. Nach einer kurzen Verschnaufpause und einem Eintrag ins nur selten benutzte Gipfelbuch machen wir uns wieder voll konzentriert an den Abstieg, der exakt dem Aufstieg gleicht.

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    Ausblick vom Gipfel des Bergwerkskopfes hinüber zur Holzgauer Wetterspitze, Feuerspitze, Freispitze und Vorderseespitze. Leider werden die Wolken wieder dichter und so machen wir uns rasch an den Abstieg.

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    Einstieg zum Quergang in der unteren Schlüsselpassage. Die nur spärlichen Griffe und Tritte an dem kleinen Felsbalkon erfordern ein geschicktes Manövrieren im nicht immer zuverlässigen Fels.

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    Hier der Abstieg über die linke Begrenzungswand des großen Kamins.

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    Nachdem wir die größten Schwierigkeiten hinter uns gelassen haben, machen wir unter einem kleinen Felsvorsprung nochmal eine ausgiebige Rast und genießen die Ruhe und die herrliche Aussicht.

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    Der luftige Abstieg hinab zum Schärtchen direkt unterhalb des Gipfelkörpers.

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    Von diesem Schärtchen erhält man auch einen Einblick in die mächtige Westwand, die in Wirklichkeit deutlich steiler ist, als es dieses Foto vielleicht vermuten lässt.

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    Bergwerkskopf von Westen. Klar, dass wir nach dieser gelungenen Tour uns ein eiskaltes Radler an der schön gelegenen Steinseehütte gönnen, bevor wir uns an den Abstieg machen.

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    Die letzten Sonnenstrahlen rücken die mächtige Westwand nochmals in bestes Fotolicht! Danach verdunkeln Gewitterwolken den Himmel und wir steigen in zügigem Tempo hinab zur Alfuz-Hütte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Oktober 2014
  2. Max

    Max Registrierter Benutzer

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    Genial!

    Seit langem fand ich mal wieder Zeit hier auf Festivaltour.de zu stöbern. So viel ist sicher, ich wurde nicht enttäuscht! Einfach ein klasse Bericht von einem wilden Anstieg auf einen ganz einsamen Lechtaler, der wohl in jede Gipfelliste eines ambitionierten Lechtal-Fans gehört! Klasse! Gerade die Fotos geben super Eindrücke von dieser wilden Felstour wieder...

    Gruß, Max
     
  3. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Hi Max,

    vielen Dank für dein Lob! Die Tour war wirklich etwas Einmaliges. Ich hoffe, wir werden auch in Zukunft die Zeit finden, solche einmaligen Gipfel zu besteigen. :wink:

    Grüße aus Isny

    Thom
     
  4. AW: Von Zams auf den Bergwerkskopf (2.728m)

    Toller Bericht mit prima Fotos!

    Am Dienstag, 30.07.2013, waren wir zu dritt am BWK - wir sind allerdings von der Steinseehütte aus losgegangen. Die Schutthalde fanden wir nicht ohne. Ist es besser und sicherer sie seitlich über die größeren Brocken zu gehen? An der ersten III--Stelle sind wir jedoch umgekehrt, da uns das ohne Sicherungsmaterial zu ausgesetzt war. Auch hatten wir vor dem doch recht bröseligen Gestein ziemlich Respekt. Dennoch war die Tour auch ohne Gipfelglück ein tolles Erlebnis.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. August 2013
  5. Tobias

    Tobias Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    AW: Von Zams auf den Bergwerkskopf (2.728m)

    Hallo Rolf,

    wir sind im Schutt zu einem markanten Block aufgestiegen (vgl. Fotos), dann wenige Meter in die Rampe gequert. Blockiges Gelände tritt sich im Aufstieg meist besser, man muss halt eng zusammenbleiben, um keinen abzuschießen. Zur ersten IIIer-Stelle: Kann jetzt gar net sagen, ob die mobil vernünftig zu sichern ist. Nach dem ca. 3 Meter hohen Einstiegswandl kommt eine geneigte, glatte Platte - die erste Schlüsselstelle. Die Bierhenkel und guten Tritte in der Querung nach rechts sind wieder super, am Schluss wirds an einer abdrängenden Wulst nochmal ernster. In der Wand nach dieser Passage steckt ein Haken mit ner Reepschnur - vermutlich zum direkten Abseilen über anspruchsvolles Klettergelände. Ein simples Nachsichern ist hier - auf Grund besagter Querung - nicht möglich; es müssten folglich weitere Zwischensicherungen eingerichtet werden, um ein mögliches Pendeln der nachsteigenden Person zu verhindern. In Anbetracht der Stelle aber ein ziemlicher Aufwand ... Die zweite III des AVF - eine Art Riss/Kamin in Falllinie des Anstieges (anscheinend auch ein Haken oben) sind wir nicht gegangen, wir nahmen die Reibungstreterei nach rechts. Der Einstieg ist glatt und bietet kaum Griffen/Tritte, allerdings auch sehr kurz. Dann solide Untergriffe und Schuhsohlenarbeit. Hier kann im Ausstieg gut mit Köpflesschlingen gearbeitet werden, auch ein Nachsichern/Abseilen ist hier kein Problem. Insgesamt gilt: Ja, der BWK ist was Besonderes mit hohem Wiederholungsfaktor. Habt auf jeden Fall richtig entschieden und nix vom Ast gebrochen, runter muss mans ja auch ...

    In diesem Sinne,

    gute weitere Saison
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. August 2013