1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen

Empfohlen Mittelschwere Bergtour Kenzennadeln, Gabelschröfle (1.960m) und Kenzenkopf (1.745m)

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Thom, 1. Juli 2019.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

    Registriert seit:
    17. September 2008
    Beiträge:
    5.622
    Bilder:
    3.646
    Ort:
    Isny im Allgäu
    Zwei ungewöhnliche und einsame Gipfelziele in der Gumpenkarumrandung, welche nicht ganz ohne Anspruch sind. Der Kenzenkopf kann einfach auf dem Rückweg "mitgenommen" werden - der Übergang zum eigentlichen Gipfel ist aber ebenfalls luftig und spannend.

    Tour-Bewertung:

    [​IMG]
    ca. 6,5 Std.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] ca. 1.000 Hm / Strecke ca. 10 km
    [​IMG] Schwierigkeit bis II+ / T5
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung

    [​IMG]Tourengänger: Tobi, Manu, Thom

    Zugegeben - die Bergumrandung des wunderbaren Gumperkars bietet mehr als diese zwei kleinen, kaum beachteten Gipfelchen. Allerdings hatten wir an diesem Tag mit schwülen 38,5°C zu "kämpfen", weshalb wir die Runde recht klein gehalten haben. Je nach Zeit und Kondition können auch noch Geiselstein, Gumpenkarspitze, Gabelschrofen und Krähe mit eingebaut werden - keine Frage. Die Kenzennadeln und das Gabelschröfle stellen aber auch für sich allein eine lohnende und nicht ganz unanspruchsvolle Unternehmung dar - unterm Strich etwas für den abenteuerlustigen Individualisten halt, welchem ein einsames Gipfelerlebnis wichtiger ist als berühmte Bergnamen oder legendäre Routen. Während die Besteigung des Gabelschröfles sich recht übersichtlich und klar gestaltet, geben die Kenzennadeln doch anfangs einige Rätsel auf. Wirklich leicht ist keine der glaube ich 13 eigenständigen Nadeln zu erklimmen. Aus dem Sattel zwischen Hochplattenmassiv und Nadeln lassen sich zumindest die 2. und 3. höchste Nadel ohne Seil relativ gutmütig in oft brüchigem Gestein ersteigen (beide II+). Die höchste Nadel, welche sogar noch einige Übereste eines einstiegen Holzkreuzes auf Ihrem Haupt trägt, haben wir an diesem Tag trotz mitgeführter Kletterausrüstung unangestatet gelassen - manchmal passt es eben nicht. Ausgangspunkt für unsere kleine Runde ist der Wanderparkplatz in Halblech, von welchem aus wir mit dem Kenzenbus hinauf zur gleichnamiger Hütte fahren.

    [​IMG]

    Blick von knapp oberhalb der Kenzenhütte hinauf zum kleinen aber feinen Kenzenkopf - ich empfehle dem versierten Bergsteiger die spannende Überschreitung - und links daneben die mächtige Nordwand der Hochplatte, welche einige anspruchsvollere Kletterrouten beherbergt. Von der Hütte geht es zunächst auf gut markiertem Weg hinauf in Richtung Kenzensattel.

    [​IMG]

    Kenzensattel direkt voraus. Bei dieser schwülen Hitze strengen sogar die paar Höhenmeter bis hierher an. Als Zugabe gibt es unzählige, hungrige Rossbremsen, welche uns die ganze Bergtour pisacken - trotzdem macht es unterm Strich wie immer Spaß. Rechter Hand sehen wir den Kenzenkopf mir seinen herrlichen, sehr steilen Südwänden. Linker Hand - knapp überhalb des Kenzensattels - lassen sich bereits die noch etwas unscheinbaren Kenzennadeln erkennen, unser erstes "Gipfelziel" des Tages.

    [​IMG]

    Einer meiner Lieblingsmotive aus den gesamten Ammergauer Alpen - der Blick vom Kenzensattel auf die wilden Gipfel des Gumpenkarumrandung. Ganz rechts der Geiselstein, gefolgt von der Gumpenkarspitze, Gabelschröfle, Gabelschrofen und links die Krähe mit ihrer prächtigen Nordwand.

    [​IMG]

    Vom Kenzensattel geht es noch wenige Meter hinab in Richtung Gumpenkar, bevor wir nach links den Weg verlassen und unter der NW-Seite der von hier aus recht mächtig wirkenden Kenzennadeln hindurch queren. Das Gelände ist nicht allzu stotzig, Trittsicherheit ist aber unerlässlich.

    [​IMG]

    Die mittleren Kenzennadeln vermitteln einem gut die Schwierigkeiten und das Risiko, welche eine seilfreie Besteigung mit sich bringen würde. Die Felsqualiät wechselt zwischen gut bis äußerst bescheiden. Tobi quert unter diesen auf Gamsspur nach links hindurch zu einem markanten Felsenfenster, um sich die Zustiegsmöglichenkeiten auf die "Dicke Nadel" aus der Nähe anzuschauen. Aber auch hier geht ohne Seil und hohes Risiko nichts.

    [​IMG]


    So steigen wir weiter hinauf in die sanften Scharte zwischen Kenzennadeln und Hochplattenmassiv. Die hier rechts im Bild befindliche skurile Nadel lässt sich tatsächlich im Bruch bis (II+) gut besteigen.

    [​IMG]

    Tobi auf der dritthöchsten Kenzennadel. Besondere Vorsicht ist im Abstieg geboten.

    [​IMG]

    Auch die zweithöchste Nadel lässt sich überraschend gut an nicht immer schlechtem Fels ersteigen. Da wir an diesem Tag keinen Bock auf selbstzuversichernde Seil-Action haben, lassen wir die höchste Nadel links liegen, obwohl diese von guter Felsqualität ist und zwei mögliche Routenführungen sofort ins Auge fallen.

    [​IMG]

    Vom Sattel geht es schließlich wieder steil hinab über recht gut gestuftes Gras in Richtung Gumpenkar.

    [​IMG]

    Markantes Felsenfenster neben der "Dicken Nadel", durch welches Tobi vorhin durchgeklettert ist, um eine Anstiegsmöglichkeit auf die markanteste Gestalt der Kenzennadeln zu suchen.

    [​IMG]


    Wieder im Gumpenkar - das Gableschröfle halb links im Bild lässt sich entweder sehr steil und brüchig (III-) von rechts her ersteigen, oder wie in unserem Falle über den Normalweg von links her kommend über steile und teils etwas ausgesetzte Graspleisen (I).

    [​IMG]


    Rückblick beim Aufstieg zum Gabelschrofensattel. Von hier aus zeigt sich die Gumpenkarspitze von ihrer schönsten Seite. Im Hintergrund sind Grubenkopf, Feigenkopf und die Klammspitzen zu sehen.

    [​IMG]

    Kurz bevor wir den Gabelschrofensattel erreichen, wenden wir uns nach rechts um Weglos hinauf zum Gipfelgrat des Gabelschröfles zu steigen - es gibt hier mehrere Möglichkeiten für die Routenführung. Wir halten uns an die grünsten Passagen, was uns in einer Art S-Linie ...

    [​IMG]

    ... hinauf zu einer fast kaminartigen Gras-Schrofenrinne (I) leitet.

    [​IMG]

    Die letzten Meter hinauf zum Gipfelgrat fallen wieder weniger steil aus, das Gras ist gutmütig gestuft. Die Felswände des nahen Gabelschrofens wissen zu beeindrucken. Man wird hier zumeist alleine unterwegs sein.

    [​IMG]

    Gratübergang zum höchsten Punkt des Gabelschröfles. Es darf sogar noch ein, zwei Mal Hand angelegt werden.

    [​IMG]

    Rückblick auf den großen Bruder - den Gabelschrofen. Sollte eine Besteigung von hieraus in Betracht gezogen werden, so sind die letzten 20 Meter hinauf zum Gipfel die unangenehmsten - dank extrem brüchigem Gestein (II).

    [​IMG]

    Tobi am Gipfel des Gabelschröfles. Links daneben Gumpenkarspitze und Geiselstein. Der Abstiegsweg entspricht dem Aufstiegsweg. Hierbei sollte nach dem Verlassen der Grates sehr darauf geachtet werden, keine Steine in der Steilflanke loszutreten, da diese unweigerlich auf den unterhalb verlaufenden Wanderweg purzeln und dort Personen gefährden können.

    [​IMG]

    Abstieg über die schöne Grasschrofenrinne von oben ...

    [​IMG]


    ... und von unten.

    [​IMG]

    Danach geht es auf kürzestem Weg zurück in den Kenzensattel ...

    [​IMG]

    ... und in wenigen Minuten auf den bekreuzten Vorgipfel des Kenzenkopfes.

    [​IMG]

    Der etwas höher gelegene höchste Punkt lässt sich mit etwas Kletterei (I-II) in herrlicher Ausgesetztheit erreichen. Schwindelfreiheit, Trittsicherheit und Erfahrung sind in derartigem Gelände stets vorauszusetzen.

    [​IMG]

    Blick vom bekreuzten Vorgipfel hinüber zum Haputgipfel des kleinen Kenzenkopfes. Knapp links des Kopfes ist der saftig grüne Haseltalkopf zu erkennen, rechts vom Kopf der Lösertalkopf und dahinter etwas versteckt die Scheinbergspitze.

    [​IMG]

    Blick vom Kenzenkopf nach Norden über den Wankerfleck hinweg bis hin zum Schönleitenschrofen. Danach geht es zurück auf ein eiskaltes Radler an der schön gelegenen Kenzenhütte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. August 2019
    Manu gefällt das.