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Empfohlen Mittelschwere Bergtour Von Elbigenalp auf die Faulenwandspitzen (2.473m & 2.480m)

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Thom, 22. Juli 2015.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Isny im Allgäu
    Bildgewaltiger Anmarsch auf zwei nur sehr selten bestiegene, aber recht lohnende Allgäuer Gipfel.

    Tour-Bewertung:

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    ca. 7 Std.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] ca. 1.750 Hm / 26,5 km
    [​IMG] Schwierigkeit II / T4-5
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung

    [​IMG]Tourengänger: Jo, Thom

    Vor einem guten Jahrzehnt waren diese zwei Gipfelchen zwischen Marchspitze und Hornbachspitze für die meisten Bergsteiger noch ein waschechtes Mysterium. Die spärlichen Informationen im AVF oder Netz waren nicht aussagekräftig oder teils verwirrend, weshalb so mancher Aspirant sein Vorhaben, die Faulewandspitzen zu besteigen, auf die lange Bank schob. Bis schließlich Boris Stephan auf seiner Homepage (www.gipfelsuechtig.de) den wohl ersten vernünftigen Bericht bzgl. Routenführung im Internet zur Verfügung stellte. Heutzutage lässt sich festhalten, dass eine Besteigung für den geübten Bergsteiger keine großen Probleme darstellt, die Routenführung ist im Bereich der Westlichen Faulewandspitze sogar variabel. Wir haben bei unserer Besteigung die für unser Dafürhalten logischste Variante gewählt, auf welche ich später natürlich noch genauer eingehen werde.


    Trotz oder gerade wegen des sehr weiten Zustieges von Elbigenalp aus, muss die Besteigung der Faulewandspitzen als wirklich lohnend bezeichnet werden. Das Durchqueren der wunderbaren Kare auf dem Enzensperger bzw. Düsseldorfer Höhenweg hat hierbei einen ganz eigenen Charme. Die Bergwelt, welche einen während dessen begleitet, gehört zum Ursprünglichsten, was die Allgäuer Alpen zu bieten haben. Die eigentlichen Gipfelanstiege sind hingegen kurzweilig und es gibt die ein oder andere spannende Kraxelstelle, die Aussicht ist beeindruckend und schön einsam ist es da oben allemal. Im Anschluss an die Besteigung der Faulewandspitzen bietet der Hermannskarsee - wenn ich mich nicht irre der höchstgelegene Allgäuer Bergsee - dem Mutigen ein auch zur Sommerzeit sehr erfrischendes Bad, laut Temperaturfühler Ende Juli gerade mal 6cm warmes Wasser! Ausgangspunkt ist mal wieder Elbigenalp. Von dort geht es auch wie die letzten Male mit dem Bike hinauf bis zum Ende des Forstweges im Gsäßwald, wo kurz zuvor auch der Steig zur Roten Wand abzweigt. Danach folgen wir dem hübsch angelegten Wanderweg hinauf in Richtung Hermann-von-Barth-Hütte.

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    Blick beim Aufstieg mit dem Mountainbike über das Bernhardstal hinweg Strahlkopf, Ramstallspitze und Ochsenkopf.

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    Nach knapp 2 Stunden haben wir das Wolfebnerkar erreicht. Rechts die markante Wolfebnerspitzen, eines der Kletter-Eldorados in den Allgäuer Alpen. Mittig die Plattenspitzen und links die Ilfenspitzen mit ihrem mächtigen Südgrat.

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    Von der Hermann-von-Barth-Hütte aus folgen wir ein Stück dem Düsseldorfer Höhenweg bis ins Birgerkar. Dieses wird auf gut markiertem Steig durchquert, immer auf die eindrucksvollen Gipfel von Hermannskarturm und -spitze zu.

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    Vom Schafschartl aus hat man dann endlich einen freien Blick auf den höchsten Allgäuer Gipfel - den Großen Krottenkopf (2.656m). Mittig die etwas unscheinbare Hornbachspitze und rechts daneben wird schon die Westliche Faulewandspitze mit ihren markanten Plattenschüssen sichtbar.

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    Nach dem kurzen Abstieg vom Schafschartl hat man dann einen ganz freien Blick auf das Hermannskar und seine Bergumrandung. Es lässt sich bereits die Graszunge, welche zwischen den zwei Faulewandgipfeln bis fast hinab zum Höhenweg zieht, erkennbar.

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    Kleiner Krottenkopf, Großer Krottenkopf, Hornbachspitze und der herrliche Hermannskarsee.

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    Gleich geht es über die gut sichtbare Graszunge unter den Plattenschüssen der Westlichen Faulewandspitze hinauf in die Scharte zwischen beiden Gipfeln.

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    Nachdem wir die gut gangbare Graszunge überwunden haben, geht es über brüchiges Material und einige Felsstufen (I) hinauf in Richtung Scharte.

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    Im letzten Drittel gibt es sogar einen ganz kurzen IIer.

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    Die Schwierigkeiten sind wirklich überschaubar, einzig und allein das viele lose Gestein ist etwas unangenehm, Steinschlag sollte dringendst vermieden werden.

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    Nach erreichen der Scharte wenden wir uns zunächst der Östlichen Faulewandspitze zu. Über die schrofige Westflanke wird aufgestiegen (I), Steinmannl weisen einem den ohnehin klaren Weg.

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    Knapp oberhalb der Scharte bei der Besteigung der Östlichen Faulewandspitze. Auch hier sind schon nette Tiefblicke garantiert. Rechts ist der brüchige Gratturm zu sehen, welcher uns später den direkten Gratübergang verwehrt. Das Ganze wäre wohl im III. Grad zu überwinden, aufgrund der Brüchigkeit lohnt sich das Risiko aber unserer Meinung nach nie und nimmer.

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    Fast oben. Im Hintergrund die herrlichen Gipfelgestalten von Großer Krottenkopf, Hornbachspitze, Öfnerspitze und Krottenspitze.

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    Auf der Östlichen Faulewandspitze. Im Hintergrund die gewaltige Marchspitze.

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    Blick hinüber zur Wildengruppe, Hochvogel und Rosskargruppe, darunter das tief eingeschnittene Hornbachtal.

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    Großer Krottenkopf mit seinem beeindruckenden Nordgrat, dahinter die Ramstallspitze.

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    Abstieg zurück in die Scharte zwischen beiden Gipfeln.

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    Beim Abstieg von der Östlichen hat man einen imposanten Blick auf die Westliche Faulewandspitze. Nach Umgehung des ersten vorhin bereits erwähnten Graturmes geht es eigentlich immer direkt an der Gratkante hinauf (meist I, kurze II beim Abstieg vom zweiten Gratkopf). Ganz hinten rechts der Fürschießer.

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    Von der Scharte geht es nun einige Meter wieder auf der Südseite hinunter, bis man über wunderbar geneigte und gutgriffige Platten (II) hinauf zum Grat steigen kann.

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    Zugegeben - es sieht schon etwas wilder aus - mit der nötigen Erfahrung und Vorsicht ist die "Traumplatte" aber keineswegs gefährlich. Das Gestein ist fast immer fest und die Schwierigkeiten liegen nie über dem II. Schwierigkeitsgrad. Die lohnendste Stelle der gesamten Tour.

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    An der zumeist festen Gratschneide geht es nun einfacher aufwärts (I).

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    Die Kraxelei an der Ostkante ist recht spannend und erinnert in mancher Hinsicht fast an die Stuhlwand am Grüntenmassiv. Der Abstieg vom 2. Gratkopf direkt an der Kante ist wieder etwas brüchiger (II), kann aber auch nordseitig einfacher umgangen werden (I).

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    Am Gipfel der Westlichen Faulewandspitze.

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    Vier Felsgiganten gerade aus. Auch hier gibt es ein kleines Gipfelbüchlein von Rudi aus Isny, welches nur ganz wenige Einträge zählt. Nach einer kurzen Pause machen wir uns über die bekannte Route an den Abstieg.

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    Selbst im Abstieg ist die "Traumplatte" gut zu meistern. Danach geht es über die Südrinne und die später folgenden Schotterfelder direkt hinab zum schönen Hermannskarsee.

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    Trotz Hochsommer immer noch beängstigend erfrischend - der Hermannskarsee.

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    Beim Rückweg zur Hermann-von-Barth-Hütte hat man einen herrlichen Blick auf den mächtigen Südgrat der Ilfenspitzen. Gerne erinnere ich mich an diese Klasse-Tour vom letzten Jahr zurück!

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    Gewitter ziehen urplötzlich auf und bescheren uns einen etwas längeren Aufenthalt auf der Hermann-von-Barth-Hütte. Lecker Kuchen und Kaffee machen dies aber mehr wie erträglich.
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. Oktober 2019
    Karlo, Johannes, Manu und 2 anderen gefällt das.
  2. Chris Koala

    Chris Koala Registrierter Benutzer

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    Klasse beschrieben diese wirklich einsame Tour - Merci! :thumbsup: Damit schreite ich bei der Planung eines weiteren Sommerprojektes 2017 ein gutes Stück voran :smile:.

    Haltet ihr eine Gesamtüberschreitung des "Hermannskargrats" für realistisch (sowohl zeit- als auch schwierigkeitstechnisch bei seilfrei bis max. IV)? Ich dachte da an eine Übernachtung auf der Hermann-von-Barth-Hütte, dann mit Stirnlampen los, um bei Sonnenaufgang am Schafschartl zu stehen. Von dort dann via Südkante auf den Hermannskarturm (http://www.hikr.org/tour/post66513.html) und dann auf die Hermannskarspitze. Nach Abstieg in die Putzscharte über deren Südgrat auf die Marchspitze und über den Westgrat hinab in die Spiehlerscharte. Von dort über den Ostgrat auf die Östliche Faulenwandspitze (darüber fehlen mir bis jetzt jegliche Infos), dann auf die Westliche Faulenwandspitze wie oben beschrieben und dann über den Ostgrat auf die Hornbachspitze (auch keine Infos, außer, dass es von ganz wuiden Hund' schon mal gemacht wurde :wink: --> http://www.alpinwiki.at/route/ostgrat-206). Von dort in die Hermannskarscharte und über den Nordgrat auf den Großen Krottenkopf. Von dort Abstieg über den Normalweg, über die Krottenkopfscharte weiter zum Hermannskarsee und zurück zur Hermann-von-Barth-Hütte. Vielleicht ist es ja absolut utopisch, es zeitlich zu schaffen... laut meinem Routing-Ergebnis sollten es ca. 4-5km reine Kraxelei sein. (zum Vergleich: Der berühmte Jubiläumsgrat von der Zugspitze auf die Alpspitze hat 7km). Siehe mein screenshot. Ohne den ebenfalls eingetragenen Hüttenzu- und -abstieg wäre die Tour noch ca. 12km lang bei ca. 1500HM.

    Hermannsgrat.jpg


    Mit euren folgenden Touren wäre dieser "Monstergrat" zu ca. 3/4 abgedeckt:

    - http://www.festivaltour.de/forum/thema/Überschreitung-marchspitze-2-610m-zuvor-auf-hermannskarturm-und-über-hermannskarspitze-hinweg.1714/#post-30838
    - eben diese über meinem Kommentar
    - http://www.festivaltour.de/forum/thema/hornbachspitze-2-533m-aus-hermannskarscharte-großer-krottenkopf-nordgrat-2-656m.1865/#post-30816

    Bin gespannt, was Ihr davon haltet. Falls ich mich maßlos über- und die Tour ebenso maßlos unterschätzen sollte, bitte ich untertänlichst, auf den Boden der Allgäuer Bergsteiger-Tatsachen zurückgeholt zu werden :angelic: .
    Träumen muss aber erlaubt bleiben... :smile:
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Januar 2017
  3. Thom

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    Servus Chris,

    ist aus der ferne nicht ganz einfach einzuschätzen, ob sich solch ein Projekt von der Zeit und den Schwierigkeiten her wirklich realisieren lässt. Ostgrat der Östlichen Faulenwandspitze wird sicher etwas knackiger, Schlüsselstelle sehe ich persönlich aber auf den letzten 50-60 Metern hinauf zur Hornbachspitze (VI-V). Hab mir das damals mit Tobi ein wenig von oben angeschaut, sah nicht sehr einladend und sau steil aus. Ohne Seil wird es hier vom Gefühl her eng, der Fels dürfte auch nicht der zuverlässigste sein. Denke aber, da muss man sich vor Ort ein Bild machen. Drück dir hierfür schon mal die Daumen und würde mich freuen wenn du uns von der spektakulären Unternehmung berichten würdest.

    VG
    Thom
     
  4. Chris Koala

    Chris Koala Registrierter Benutzer

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    Vielen lieben Dank für diese wertvollen Infos aus erster Hand! :thumbsup: :smile:

    Über die Hornbachspitze habe ich eben nur diese paar Zeilen von dem Abstieg (wäre dann mein Aufstieg) über den Ostgrat gefunden:

    "22. Juli 1901: Hornbachspitze (I. Abst. ü. d. Ostgrat) : G. A. Guyer, Conrad Schraube.
    Von der Hornbachspitze in die Scharte zwischen Gipfel und einem Gratturm, der überklettert wurde (kann auch rechts umgangen werden). Dann stets auf dein Grat weiter bis zu dessen tiefster Scharte. Von da Abstieg zum Hermannskarsee.
    Quelle: 9. Jahresbericht des Akademischen Alpenvereins München 1900/1901, Seite 46"

    Inwieweit diese historische Begehung von vor 117(!) Jahren allerdings als Tourenbeschreibung taugt, sei mal dahingestellt - in so einem Zeitraum können im bekanntlich nicht sonderlich standhaften Dolomit ja ganze Grattürme verschwinden...

    Falls es sich als zu schwer, oder aber als zu lang herausstellen sollte, bleibt einem ja noch der Abstieg ins Hermannskar über die Scharte zwischen den Faulenwandspitzen.

    Es bleibt spannend! :smile:
     
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