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Empfohlen Schwere Bergtour Die Überschreitung der Klesenzahörner (2.276m)

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Thom, 6. September 2018.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    17. September 2008
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    Ort:
    Isny im Allgäu
    Sehr anspruchsvolle Überschreitung eines nur selten begangenen Gipfels. Die spannend ausgesetzte Klettereien in teils wildem Bruch verlangen viel Feingefühl und Erfahrung.

    Tour-Bewertung:

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    ca. 7 Std.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] ca. 1.600 Hm / Strecke ca. 17 km
    [​IMG] Schwierigkeit bis III- / T6
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung

    [​IMG]Tourengänger: Franzi, Thom

    Für mich zählt die Bergumrahmung des Gadentales schon lange zu den lohnendsten Winkeln unserer schönen Heimatberge. Selten findet man auf so "kleinem" Raum so viele derart unterschiedliche Bergcharaktere wie hier in diesem stillen und einzigartigen Gebiet. Sieht man vom Kurgasthof Bad Rothenbrunnen einmal ab, begegnet man in diesem Gebiet nur selten auf andere Mitstreiter, unter der Woche ist es auch in der Hauptsaison überwiegend einsam. Feuerstein, Bettlerspitze, Wangspitze, Matonakopf und Huttlaspitze - welche teils ebenfalls einsame und recht unzugängliche Ziele darstellen - durften wir ja schon in der Vergangenheit einen Besuch abstatten - heute fiel bei bestem Sommerwetter die Wahl auf die Klesenzahörner. Die Überschreitung dieses Doppelgipfels stellt in seiner Gesamtheit hierbei die größte Herausforderung in diesem Gebiet dar. Von steilem Gras über brüchigste, kaum kletterbare Schrofenpassagen bis hin zu wild luftigen Klettereien in nicht immer zuverlässigem Gestein gibt es hier so ziemlich alles, was einen Berg abweisend macht. Ausgangspunkt ist wie immer, wenn es in das Gebiet des Gadentales geht, der Wanderparkplatz unterhalb von Bad Rothenbrunnen. Von hier aus geht es gemütlich erst einmal in Richtung Matonaalpe. Kurz bevor wie diese erreichen, leiten uns gut sichtbare Trittspuren östlich unter den Steilabbrüchen des Matonakopfes vorbei ins Bettlerkar.

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    Von Bad Rothenbrunnen aus folgen wir einem recht bequemen Forstweg meist hoch über dem Matonabach zunächst in Richtung Gaden Alpe. Vor dem markanten Felsriegel im Bild zweigt unser Weg nach rechts in Richtung Matonaalpe und Wangalpe ab. Im Hintergrund ist unser heutiges Tagesziel schon erkennbar.

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    Beim Anstieg zur Matonaalpe kommen nach und nach immer mehr Berggestalten zum Vorschein. Von rechts nach links: Bettlerspitze, Klesenzahörner, Gadnerköpfe. Wenige Höhenmeter später setzen wir auf gut sichtbaren Trittspuren zur Querung unter dem Matonakopf hindurch an.

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    Zauberhafter Blick aus der Querung auf Zitterklapfen, Seeleschrofen und Kilkaschrofen ... über welche eine der eindrücklichsten und anspruchsvollsten Überschreitungen führt, die ich je machen durfte. Weiter rechts folgen Ruchwannekopf, Schöneberg, Rosseck und Eferatgrat, welcher oft fälschlicherweise als Schöneberg bezeichnet wird, da er die berühmte Schönebergkante (SW-Grat) sein eigen nennt.

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    Im Bettlerkar angekommen mit Blick zurück auf die absolvierte Querung unter des links aufragenden Matonakopfes hindurch. Hinten die unscheinbare, durch einen Wanderweg erschlossene Wangspitze.

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    Im Bettlerkar mit Blick auf Bettlerspitze ganz rechts und die 3-teiligen Klesenzahörner. Der Ostgipfel wird hierbei in Mittelturm und Hauptgipfel eingeteilt, der etwas mildere Westgipfel wird gern mal bei Skitourengängern mit der Bettlerspitze verwechselt. Wir legen unseren Aufstieg über den leicht grasigen von links unten ansteigenden Grat über der hohen Nordmauer des Westlichen Klesenzahornes.

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    Traumaussicht auf das Feuersteinmassiv. Tief unten ebenfalls von der Sonne verwöhnt: die Gadneralpe

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    Huttlaspitze und Matonakopf sind ebenfalls nur selten bestiegene Gipfel, die über ihre "Normalwege" von erfahrenen Wanderern gut zu besteigen sind. Trittsicherheit und Gespür für die günstigste Route sind natürlich auch hier obligat.

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    Direkt unterhalb des Westlichen Klesenzahornes, links der Doppelgipfel des Östlichen. Wir steigen über die steilen Grasschrofen zumeist an Gratrücken entlang.

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    Am Nordostrücken des Westlichen Klesenzahornes, das Gelände steilt mit jedem Meter weiter auf und wird zunehmends anspruchsvoller. Wir halten uns vorerst so gut es geht im recht kurzen Grün auf, allerdings lassen sich manche Steilschrofen weiter oben im Hang nicht mehr vermeiden.

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    Immer wieder der geniale Blick hinüber zum nahe gelegenen Feuerstein. Rechts davon lugt der Große Widderstein hervor, etwa in der Bildmitte im Hintergrund die Hohe Künzelspitze.

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    Etwa auf der Hälfte des Aufstieges muss ein sehr steiler Felsriegel (II) überwunden werden. Bis auf wenige Stellen ist das Gestein hier aber zuverlässiger als dies auf den ersten Blick erscheinen mag.

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    Danach geht es fast schon komfortabel in kurzem uns mäßig steilen Gras weiter bergan.

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    Blick auf das Östliche Klesenzahorn und den dahinter liegenden Misthaufen, welchen wir auch noch dringend einmal besuchen müssen.

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    Ganz nah ragt die Bettlerspitze neben uns auf. Der von der Bettlerscharte steil nach oben ziehende Südostgrat wird kaum je bestiegen und ist eine anspruchsvolle Unternehmung (III).

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    Hinauf zum Vorgipfel des Westlichen Klesenzahornes müssen nochmal brösligen Schrofen (I) überklettert werden. Danach sind es nur noch wenige Höhenmeter zum Gipfel.

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    Diese letzten Meter sind aber nicht ohne. Zunächst queren wir rechts unter dem ersten Gratturm in die gut sichtbare kleine Scharte, welche sehr unangenehm zu überwinden ist - hier hält erein gar nichts. Danach entweder sehr steil (III) wieder direkt hinauf zur Grathöhe oder deutlich einfach links um die Felsen herum und nach rechts durch eine sehr brüchige Rinne (I) mit ordentlich Steinschlaggefahr zum höchsten Punkt.

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    Blick vom Westlichen Klesenzahorn hinüber zur Bettlerspitze, links davon das Breithornmassiv. Mittig im Hintergrund thront der Dornbirner First mit seinen zahlreichen Gipfeln

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    Vom Westlichen Klesenzagipfel sieht der weitere Aufstieg zum Mittelturm - dem Vorgipfel des Östlichen Klesenzahornes - wenig einladend aus. Es wird steil, brüchig und hart ausgesetzt. Der Hauptgipfel ist momentan noch verdeckt.

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    Der Abstieg vom Westlichen Klesenzakopf in die Scharte gehört zu den einfacheren Passagen der Überschreitung, Trittsicherheit ist aber auch hier wichtig. In Wahrheit ist es steiler und ausgesetzter, als es das Foto hier erahnen lässt. Gerade die ultra steilen und morschen Südwestabbrüche wissen zu beeindrucken.

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    Danach geht es an eingemachte. den ersten kleinen grünen Absatz am Mittelturm erreicht man am besten von links her kommend über recht vernünftigen Fels (I-II).

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    Im Hintergrund die von hier unscheinbar wirkende Bratschenwand, gefolgt vom wuchtigen Bratschenkopf und dem pyramidenförmigen Westlichen Johanneskopf.

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    Danach direkt sehr luftig über den Grat hinauf zur nächsten kleinen begrünten Abdachung (I-II).

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    Schlussetappe hinauf zum höchsten Punkt des Mittelturmes. Hier muss schon etwas fester zugepackt werden (II+). Dabei sind die losen Blöcke mit Vorsicht zu genießen. Die Stelle ist im ganzen recht exponiert. Anschließend leichter über die linke Rampe auf den Mittelturm.

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    Hauptgipfel Östliches Klesenzahorn direkt voraus. Kurz geht es über abschüssig, plattige Schrofen in die tiefste Scharte, um dann direkt über die helle Kante anzusteigen (II+).

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    Die weiten Flächen des Disnergröfs ergeben im Winter sicher ein paar würzige Abfahrten.

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    Blick über das Gadental hinweg zu den Bergnachbarn. Ein Traumtag im September.

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    Der Aufstieg über die eigenwillige Kante (II+) ist steil und knatter ausgesetzt, der Fels aber überraschend griffig. Danach geht es rechts unter die Überhänge in Richtung Gipfelrinne. Beim Übergang (II) von der Kante zur Rinne liegt viel loses Material, Steinschlag muss zwingend vermieden werden.

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    Die sogar bei tagelangem Traumwetter immer noch feuchte Schlussrinne von oben. Vom Foto darf man sich nicht täuschen lassen, die Rinne brüchig überhängend ab und endet im Nichts. Die letzen Meter über die kleingriffige helle Platte, auf der man auf Reibung anstehen muss (III-) stellt für mich die Schlüsselstelle des gesamten Aufstiegs dar. Im Abstieg ist die Stelle als heikel zu bezeichnen.

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    Dann ist es geschafft - wir haben den Gipfel des Östlichen Klesenzahornes erreicht. Nach kurzer Pause machen wir uns spontan für den Abstieg über den spektakulären Südostgrat. Hierzu nächste immer direkt am recht festen Felsgrat entlang (I-II), bis dieser überhängend in die Tief fällt.

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    Dann nach links hinab über ein senkrechtes Wändlein (III-), die Griffe und Tritte sind hierbei mit viel Feingefühl zu benutzen. Danach geht es in wildem Mixgelände aus steilem Gras und Schrofen auf geeignetster Linie hinab in die Scharte vor den Gadnerköpfen.

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    Südwestabbrüche Östliches Klesenzahorn.

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    Fern im Tal die Klesenzaalpe. Immer wieder ziehen diese urigen Tiefblicke einen in den Bann.

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    Zur Scharten vor den Gadnerköpfen hin wird's wieder übelst brüchig. Der markante Gratturm mit Aufsatz bricht auf der anderen Seite leider überhängend ab. Für den Weiterweg zu den Gadnerköpfen muss einige Meter anspruchsvoll in einen Rinnenast abgestiegen werden, danach kann gleich über den nächste Ast wieder zur Grathöhe angestiegen werden. Im Hintergrund die Rote Wand.

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    Ein letzter Blick zurück zum formschönen Gipfel des Östlichen Klesenzahornes bevor wir in die Rinne vor den Gadnerköpfen absteigen. Die Gadnerköpfe wären zwar nah und schnell erreicht, für heute lassen wir es aber gut sein und steigen zunächst vorsichtig (gehtechnisch eine der Schlüsselstellen der Tour, sehr steinschlaggefährdet), später in spaßiger Geröllsurf-Manier ins Disnergschröf hinab.

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    Vom Disnergschröf aus wirken die Klesenzahörner fremd und behäbig. Über schöne Karstlandschaften steigen wir rasch hinunter zu unserem Aufstiegsweg, ...

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    ... genießen dabei die herrliche Aussicht, das geniale Wetter und die unendliche Ruhe.

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    Die Gratkante unserer Aufstiegsführe nochmals im Profil.

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    Misthaufen, die drei Gadnerköpfe und die eben überschrittenen Klesenzahörner - und los geht's Richtung Heimat. Hoffentlich können wir schon bald wieder in dieses herrliche Gebiet wandern, um die restlichen Gipfel zu inspizieren.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. November 2018
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